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Medizin in MV : Physiotherapeuten im Land am Limit

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Fachverband fordert höhere Vergütungen – Immer weniger Berufsnachwuchs

svz.de von
erstellt am 19.Jan.2015 | 08:00 Uhr

Physiotherapeuten in Existenznot: Praxen, vor allem auf dem Land, fällt es zunehmend schwerer, wirtschaftlich zu arbeiten. Dazu kommt: Immer weniger junge Leute entscheiden sich dafür, den Beruf einer Physiotherapeutin oder eines Physiotherapeuten zu erlernen. Nach Zahlen des Bundesinstituts für Berufsbildung hat sich die Zahl der Auszubildenden in den letzten  Jahren  um  10,1 Prozent verringert.

Zurzeit gibt es nach Auskunft des Landesverbandes MV des Deutschen Verbandes für Physiotherapie im Land 845 selbstständige Praxen. In den letzten zehn Jahren haben sich jährlich 30 bis 40 Praxen neu gegründet, so Gudrun Mielke vom Landesverband. Doch obwohl sie durch ihre Arbeit Behandlungen verkürzen und oft aufwendige Operationen vermeiden, werden Leistungen von Physiotherapeuten bereits seit Jahren nicht angemessen vergütet. Für einen bei der AOK versicherten Patienten bekommen sie zum Beispiel für 15 bis 25 Minuten Krankengymnastik gerade einmal 12,30 Euro. Der gleiche Satz gilt für 15 bis 25 Minuten manuelle Therapie – obwohl dafür sogar eine Zusatzausbildung erforderlich ist. Dass der Therapeut diese aus der eigenen Tasche bezahlen musste, sei nur am Rande erwähnt.

Zur Behandlung kommen das Aufklärungsgespräch, das Prüfen des Rezeptes, das Schreiben von Befunden und nicht zuletzt das Einziehen von Zuzahlung des Patienten dazu. „Diese Leistungen können in der Behandlungszeit nicht erbracht werden und gehen ohne Vergütung des Therapeuten zu dessen Lasten“, erläutert Gudrun Mielke.

Von ausdrücklichen Versorgungsengpässen spricht der Berufsverband noch nicht. Doch „in ländlichen Gebieten ist es kaum möglich, gewinnbringend zu arbeiten“, betont Gudrun Mielke. Aufgrund der geringen Bevölkerungsdichte würde es sich dort auch nicht lohnen, Kurse anzubieten, durch die ihre Kollegen in Städten immerhin etwas dazuverdienen könnten. Hinzu kämen auf dem Land erhöhte Kosten, die durch lange Fahrzeiten für Hausbesuche anfallen und die von den Krankenkassen mit einer oft nicht kostendeckenden Pauschale vergütet würden.

Um wirtschaftlich arbeiten zu können, benötigten die Praxen Mindesteinnahmen von 50 Euro je Stunde, so der Berufsverband. Er fordert von den Krankenkassen, die Vergütungen entsprechend um 38,7 Prozent zu erhöhen. Zudem könnte auch ein Abbau der Bürokratie zu Zeitgewinn und dadurch zu mehr Einnahmen führen. „In den Praxen müssen alle Rezepte aufwändig auf Fehler geprüft werden, da auch bei Fehlern durch die ausstellenden Ärzte das abgearbeitete Rezept durch die Kassen den Physiotherapiepraxen nicht bezahlt wird“, nennt Gudrun Mielke ein Beispiel.

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