zur Navigation springen

Zum dritten Mal in neun Tagen sind deutsche Soldaten gefallen : "Perfide Mittel von Terror" in Afghanistan

vom

"Wir verneigen uns vor dem Gefallenen", sagt Thomas de Maizière vor den Kameras im Dresdner Kulturpalast. Zum dritten Mal innerhalb von neun Tagen sind deutsche Soldaten im Norden Afghanistans angegriffen worden.

Dresden | "Wir verneigen uns vor dem Gefallenen", sagt Thomas de Maizière am Ende seines Auftritts vor den Kameras im Dresdner Kulturpalast. Wieder einmal ein schwerer Gang. Zum dritten Mal innerhalb von nur neun Tagen sind deutsche Soldaten im Norden Afghanistans angegriffen worden. Ein Toter, fünf Verletzte bei einem schweren Sprengstoffanschlag.

Die traurige Nachricht erreicht den Verteidigungsminister am frühen Donnerstagmorgen in der sächsischen Landeshauptstadt, wo er den Evangelischen Kirchentag besucht und dort auch über den Afghanistaneinsatz der Bundeswehr sprechen wird.

Trauer, Wut, Ohnmacht, aber auch Entschlossenheit beim Inhaber der Befehls- und Kommandogewalt. "Vor Gewalt darf man nicht weichen. Wenn wir jetzt gingen würde das Vertrauen und das Selbstvertrauen der Afghanen erst recht erschüttert. Die Taliban hätten dann leichtes Spiel", lautet de Maizières Botschaft an den Gegner am Hindukusch. Kein Nachlassen im Engagement, keine Veränderung von Auftrag und Strategie. Die Strategie sei richtig und greife mittlerweile. "Die Taliban verlieren an Boden", erklärt der Minister. Gerade deshalb wählten sie "das besonders perfide Mittel von Terror und Sprengstoffanschlägen".

Um 7.24 Uhr deutscher Zeit war die deutsche Patrouille mit einem Schützenpanzer vom Typ Marder 1A5 in der Provinz Baghlan, 36 Kilometer südlich vom Feldlager Kundus, unterwegs. "Unsere Soldaten wollten Sprengfallen aufspüren", berichtet der Verteidigungsminister später. Doch eine Sprengfalle wird ihnen zum Verhängnis. Eine gewaltige Detonation zerstört das gepanzerte Fahrzeug fast völlig. Sanitäter bergen die sechs verletzten deutschen Soldaten aus den Trümmern.

Amerikanische Rettungshubschrauber werden angefordert, um die Verletzten ins deutsche Feldlazarett nach Kundus zu fliegen. Für eines der Opfer kommt die Hilfe zu spät. Zwei weitere schweben in Lebensgefahr.

Wurden die Bundeswehrsoldaten erneut in die Falle gelockt? Sind aus der afghanischen Armee Informationen über die Route der deutschen Patrouille an die Taliban weitergegeben worden? In Bundeswehrkreisen werden Hinweise darauf laut.

Wieder ein Gefallener in Afghanistan. Heute findet in Hannover die Trauerfeier für zwei deutsche Soldaten statt, die am vergangenen Sonnabend Opfer eines Anschlags geworden waren.

Am Mittwoch vergangener Woche war außerdem bei einem Sprengstoffanschlag auf eine deutsche Patrouille in der Provinz Kundus ein Bundeswehrsoldat getötet worden. Ein weiterer Soldat und ein afghanischer Übersetzer waren bei der Attacke verletzt worden. Bei dem Attentat waren neben den Bundeswehrsoldaten auch mehrere Afghanen ums Leben gekommen, darunter der Polizeichef für Nordafghanistan, Daud Daud.

Er verstehe, dass mancher jetzt die Frage aufwerfen mag, ob die Strategie im Einsatz richtig sei, sagt de Maizière . Doch es bleibe dabei: "Unsere Soldaten werden weiter auf Patrouille gehen. Wir werden weiter unsere Partner im afghanischen Norden unterstützen."

>> EXTRA: Hunderte Taliban stürmen Grenzposten

Bei einem Angriff hunderter Taliban-Kämpfer auf einen Posten der pakistanischen Sicherheitskräfte an der Grenze zu Afghanistan sind nach Polizeiangaben mehr als 80 Menschen getötet worden. Die Polizei im Distrikt Upper Dir teilte gestern mit, 27 Angehörige der Polizei und einer paramilitärischen Grenzschutz-Einheit sowie acht Zivilisten seien gestorben. Bei den mehr als 24-stündigen Gefechten seien außerdem 46 Aufständische getötet worden. „Zwischen 200 und 300 Terroristen“ hätten sich beteiligt, sagte ein Polizeisprecher. Vier Mitglieder einer Familie, darunter Frauen und Kinder, seien getötet worden, als eine Mörsergranate der Taliban ihr Haus traf. Ein Geistlicher einer örtlichen Moschee sei bei den Gefechten ebenfalls ums Leben gekommen. Die Taliban hätten zudem einen afghanischen Lastwagenfahrer getötet und dessen Fahrzeug übernommen.

zur Startseite

von
erstellt am 02.Jun.2011 | 07:02 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen