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Europawahl : Pastörs und die Porno-Falle

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

NPD-Parteichef soll seinen Generalsekretär feuern / Szene wütend auf Ex-Darstellerin

svz.de von
erstellt am 05.Apr.2014 | 08:35 Uhr

Es läuft derzeit nicht gut für den NPD-Bundesvorsitzenden Udo Pastörs. Erst im Januar verlor der 61-Jährige aus Lübtheen (Landkreis Ludwigslust-Parchim) die entscheidende Kampfabstimmung um die Spitzenkandidatur seiner rechtsextremen Partei für die Europawahl. Die Delegierten auf dem Parteitag entschieden sich gegen ihn und wählten den politisch bereits totgesagten Ex-Parteichef, Udo Voigt.

Jetzt gibt es neuen Ärger. Wegen einer Liaison der NPD mit der Porno-Darstellerin Ina Groll alias „Kitty Blair“ wächst der Druck auch auf den biederen Parteichef Udo Pastörs. Die Parteibasis tobt. „Die Dekadenz hat in unseren Reihen Einzug gehalten“, machte gestern ein Kamerad auf dem rechtsextremen Internetportal „Altermedia“ seinem Ärger Luft. Man müsse endlich intern aufräumen.

Personelle Konsequenzen werden auch in der Führungsspitze gefordert. Einstimmig soll das NPD-Präsidium beschlossen haben, dass Pastörs seinen Generalsekretär und langjährigen Weggefährten, Peter Marx, zum Rücktritt auffordert, schreibt Spiegel-Online. Am Wochenende müsse nun der NPD-Vorstand entscheiden. Denn auch die Jugendorganisation JN habe einen Antrag für die Abwahl von Peter Marx gestellt.

Dabei begann alles so friedlich. Vor einigen Monaten beschloss die 28-jährige Ina Groll in Nordrhein-Westfalen, nicht länger als Porno-Darstellerin zu arbeiten und ihren Körper und ihren Geist ganz in den Dienst der deutschnationalen Sache zu stellen. Ihr Motto: „Nationalismus darf auch sexy sein!“

NPD-Funktionäre in Nordrhein-Westfalen waren von der jungen Frau begeistert, als sie im Dezember vergangenen Jahres in der Fußgängerzone in Duisburg mit kurzem Mäntelchen und als Weihnachtsfrau verkleidet für die Partei auf Werbetour ging. Fleißig sammelte sie auch Unterstützer-Unterschriften in Rheinland-Pfalz und im Saarland.

Allerdings mäkelte schon damals ein Teil der Kameraden, dass ein Porno-Sternchen nicht dem völkischen Bild einer sauberen Frau am heimischen Herd entsprechen kann. Einige der Kritiker sahen sich dann die Filme etwas genauer an – um die Partei zu schützen.

Ein Sturm der Entrüstung brach danach los. Ina Groll alias „Kitty Blair“ hatte nicht nur mit weißen, sondern auch mit farbigen Kollegen vor der Kamera gestanden und gelegen. „Rassenschande“, empörten sich Kameraden auf einer extra eingerichteten Hass-Seite auf Facebook. „Wer mit Fremdrassigen vor laufender Kamera kopuliert und damit der Rassenvermischung auch noch Vorschub leistet, hat mit der völkischen Idee wenig zu schaffen“, hieß es auf den Internetseiten des „Freien Netzes“ Saalfeld. Daraufhin zog die NPD-Führung die Reißleine und erklärte Ina Groll zur „unerwünschten Person“.

Ende Februar tauchten dann Bilder von einer Geburtstagsfeier im Saarland auf einer Internetseite von „Altermedia“ auf, die Ina Groll gemeinsam mit Generalssekretär Peter Marx, einer angeblichen Stripperin und einem Kuchen in Penisform zeigen.

Marx ist längst nicht der Erste, der sich in der NPD-Führung mit Sex-Vorwürfen auseinandersetzen muss. Der Ende 2013 zurückgetretene Vorsitzende Holger Apfel soll im vergangenen Sommer im Vollrausch Kameraden am Hintern gegrabbelt haben, was in der schwulenfeindlichen Partei ganz schlecht ankam.

Marx, der auch Landesvorsitzender im Saarland ist, hat Jahre als Geschäftsführer für die NPD-Fraktion in Schwerin gearbeitet. Jetzt liegt der Ball bei Udo Pastörs.

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