Obamas Risiko zahlt sich aus

Hunderte   jubelten auf dem New Yorker Times Square. dpa
Hunderte jubelten auf dem New Yorker Times Square. dpa

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02. Mai 2011, 07:35 Uhr

Washington | "USA! USA! USA", skandieren die Menschen, die sich vor dem Weißen Haus eingefunden haben. Dann stimmt die schnell wachsende Menge die Nationalhymne an. Ähnliche Szenen gibt es in New York an der "Ground Zero"-Baugrube. Der Tod von El Kaida-Chef Osama bin Laden, von US-Präsident Barack Obama am späten Sonntagabend mit kühlem Ernst vorgetragen, elektrisiert eine Nation, bei der die Jagd nach dem meistgesuchten Mann der Welt längst in den Hintergrund geraten war. Doch gut vier Monate vor dem zehnten Jahrestag der 9/11-Anschläge kann nun Obama einen Vollzug melden, der seinem Vorgänger verwehrt blieb: Bin Laden sei in einer Kommandoaktion getötet, der Gerechtigkeit Genüge getan worden, liest der Präsident ab. Und sagt aber auch: "Der Kampf gegen den Terrorismus geht weiter."

Die riskante Wette, in tiefer Dunkelheit zwei "Blackhawk"-Helikopter ohne vorherige Absprache mit der pakistanischen Regierung und somit unter Verletzung der Souveränität des Landes in die Luft zu schicken, ging für einen Präsidenten auf, dessen Entschlossen in der Antiterror-Politik die Opposition immer wieder in Frage gestellt hatte. Doch nun gibt es auch von den Konservativen Lob. "Viel Mumm" habe dazu gehört, einen solchen Einsatz tief in Pakistan zu befehlen, begrüßt der republikanische Abgeordnete Peter King, der gewöhnlich kein gutes Haar an Obama lässt, die Präsidenten-Entscheidung. Und die "Washington Post" prognostiziert: Der Eindruck, dass Amerika alles erreichen könne, wenn man es nur wolle, und die nun absehbare Welle des Patriotismus werde das Image von Obama als Führungsfigur nur stärken. Und nun würden es potenzielle Gegenkandidaten des Demokraten noch schwerer haben, diesen zu attackieren.

Die Debatte um die Staatsbürgerschaftsfrage und das leidige Geburtsurkunden-Thema, vor allem von der "Tea Party" forciert, hatte Obama kürzlich noch mit der Bemerkung bedacht: Sich solchen Kindereien zu widmen, sei lächerlich - er habe Wichtigeres zu tun. Nun weiß die Nation, was der Präsident damit meinte, denn die Sitzungen zur Planung der Bin-Laden-Mission hatten da längst begonnen.

Vom Sprecher der New Yorker Feuerwehr über die Angehörigen der Opfer der 9/11-Attacken, die früheren Präsidenten Bill Clinton und George W. Bush bis hin zu potenziellen Herausforderern des Präsidenten: Nichts als Lob und Anerkennung gab es gestern für den "Kill"-Befehl Obamas, der am Ende kurzen Prozess machte, in bester

Bush-Manier eine Festnahme und ein ordentliches Gerichtsverfahren gar nicht erst in Betracht zog. CIA-Chef Leon Panetta, der designierte neue Verteidigungsminister, warnte nach der gezielten Tötung allerdings auch vor übermäßiger Euphorie: Das Terrornetzwerk werde mit ziemlicher Sicherheit Rache üben wollen: "Bin Laden ist tot, El Kaida nicht."

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