Afghanistan: Taliban verwunden deutschen General : Neue Dimension in Afghanistan

 Beim Antrittsbesuch im März stand Thomas de Maiziere  neben Markus Kneip. dpa
Beim Antrittsbesuch im März stand Thomas de Maiziere neben Markus Kneip. dpa

Es war der folgenschwerste Anschlag auf ranghohe Sicherheitskräfte in Afghanistan. Zwei Deutsche sterben. General Kneip, drei Soldaten und eine Soldatin der Bundeswehr werden verwundet.

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29. Mai 2011, 07:36 Uhr

Neu Delhi/Talokan | Der Gouverneur der nordafghanischen Provinz Tachar, Abdul Jabar Taqwa, empfängt hohen Besuch in seinem Büro. Der Kommandeur der Internationalen Schutztruppe Isaf für Nordafghanistan, Bundeswehr-General Markus Kneip, ist angereist. Unter den Teilnehmern des Sicherheitstreffens sind auch die Chefs der afghanischen Polizei und Armee für den Norden, die Generäle Daud Daud und Salmai Wesa. Was Gouverneur und Generäle nicht wissen: Unter den Sicherheitskräften, die sie eigentlich schützen sollen, ist anscheinend mindestens ein Selbstmordattentäter der Taliban.

Als die Teilnehmer das Büro des Gouverneursnach der Konferenz verlassen und auf dem Weg nach draußen sind, geht der Attentäter nach Angaben aus Sicherheitskreisen auf die Gruppe zu. Er soll eine Polizeiuniform getragen und Teil der Sicherheitskräfte gewesen sein. In der Eingangshalle sprengt er sich in die Luft. Gouverneur Taqwa und General Kneip gehen bei der Explosion zu Boden, werden verletzt. Zwei Deutsche sterben. Kneip, drei Soldaten und eine Soldatin der Bundeswehr werden verwundet, die Soldatin schwer.

Nie zuvor ist es den Taliban gelungen, einen General der Bundeswehr oder einer anderen Isaf-Nation zu treffen. Den internationalen Streitkräften versetzen die Aufständischen damit eine schwere psychologische Niederlage. Und die afghanischen Sicherheitskräfte haben ihr bislang hochrangigstes Todesopfer zu beklagen: Nordafghanistans Polizeichef Daud ist unter den mindestens sieben Toten. Der Gouverneur ist unter den neun Verletzten. Er sagt später, es habe Hinweise auf einen Selbstmordattentäter gegeben. "Aber sie kennen den Spruch, dass der Dieb der Polizei immer ein paar Schritte voraus ist. Ich hätte nie erwartet, dass das passiert, weil wir einen sehr soliden Sicherheitsgürtel haben." Doch gegen Taliban-Schläfer in Polizei und Armee, die bis zum "Märtyrertod" unauffällig ihren Dienst verrichten, kann man sich kaum schützen.

Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) betonte gestern, dass die Bundesregierung bei ihrer Afghanistan-Strategie bleibt. "Wenn wir die Sicherheit allmählich in afghanische Hände übergeben wollen, dann geht es nur so, dass wir es mit den Afghanen zusammen tun", sagte er.

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