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Rechtsextremismus : Neonazis siedeln vor allem in MV an

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Journalistin analysiert: Mecklenburg-Vorpommern hat sich in den vergangenen 20 Jahren zu einem wichtigen Erprobungsgebiet für rechtsextreme Netzwerke entwickelt.

Mecklenburg-Vorpommern habe sich in den letzten 20 Jahren zu einem wichtigen Erprobungsgebiet für weitgehend informelle rechtsextreme Netzwerke entwickelt. Diesen Schluss zieht die Journalistin Andrea Röpke aus jahrelangen Recherchen. Die rechten Netzwerke seien „in vielfältiger Hinsicht Teil der Alltagswelt geworden“, so Röpke in einem neuen Buch, das sie im Auftrag der SPD-Landtagsfraktion geschrieben hat. Denn Mitglieder dieser Netzwerke seien jedermanns „Nachbarn oder Geschäftspartner“, aber als Rechtsextreme nicht immer erkennbar. Mit der Studie „Gefährlich verankert“ wollen Röpke und die SPD-Fraktion aufklären, wie weit diese Netzwerke reichen. Röpke nennt Namen, Orte und Organisationen. Denn zahlreiche Menschen würden Augen und Ohren verschließen, zeigten kein Interesse an Aufklärung. „Viele haben sich bereits an ihre rechtsextremen Mitbürger gewöhnt und tolerieren deren menschenverachtende Ideologie, solange sie nicht allzu offen hervortritt.“

„NPD-Politiker tragen gut sitzende Anzüge, viele rechte Frauen moderne Piercings oder traditionelle Zopffrisuren“, schreibt Röpke. Ihre Kinder schicken manche Rechtsextreme in Waldorf-Kindergärten, die Eltern kaufen im Bioladen ein. „Der Habituts scheint durch und durch bürgerlich. Doch hinter der Fassade lebt die Radikalität“, urteilt die Autorin. Nur wenige, die ein radikales politisches Ziel vor Augen hätten, gäben sich „außerhalb der NPD offen zu erkennen“. Das führe zum Beispiel dazu, dass rechte „Künstler“ ohne jeden Hinweis von einem regionalen Tourismusverband beworben wurden.

Röpke spürte unter anderem Verbindungen von Rechtsextremisten zur Rocker-Szene und ins Rotlicht-Milieu nach. Vor allem in Städten wie Anklam, Wismar oder Rostock, aber auch in kleineren Orten fänden gewaltbereite Motorradgangs und Neonazis zueinander. Außerdem sei Mecklenburg-Vorpommern ein Zentrum für „braune“ Siedler. „Nirgends siedeln so viele Neonazis wie in Mecklenburg-Vorpommern.“ Dazu gehörten Mitglieder der Sekte „Artgemeinschaft“, die Bewegung der „Neo-Artamanen“, NPD-Anhänger aus den Ballungsgebieten oder „völkische Rechte“, die die eigene Scholle bewirtschaften wollten. Ein Zentrum sei der Raum um Güstrow, wo bereits 2007 von über einem Dutzend „nationaler“ Familien ausgegangen worden sei.

Röpke sagte, der Einfluss der im Landtag vertretenen NPD auf die rechtsextreme Szene sei von Region zu Region unterschiedlich. Das sieht SPD-Landtagsfraktionschef Norbert Nieszery anders. Seiner Meinung nach laufen zahlreiche Fäden bei Mitgliedern der NPD im Landtag zusammen. „Zur Trockenlegung der Geldströme“ in die rechtsextreme Szene müsse die NPD verboten werden. Innenminister Lorenz Caffier (CDU) begrüßte die Unterstützung der SPD für das laufende NPD-Verbotsverfahren. „Rechtsextremistisches Gedankengut werden wir durch ein NPD-Verbot nicht beseitigen, aber wir können damit Finanzströme und Strukturen in die rechtsextremistische Szene des Landes kappen“, sagte der Minister.
 

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