zur Navigation springen

Keine Bäume für Autobahnen : Naturschutz in Warteschleife

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Neue Wälder und Seen für Straßen und Gewerbegebiete: Erst ein Drittel der Ausgleichsmaßnahmen in MV erfüllt

svz.de von
erstellt am 21.Mai.2015 | 08:00 Uhr

Naturschutz im Verzug: Zehn Jahre nach der Eröffnung der Ostseeautobahn 20 hat die Straßenbauverwaltung in MV noch immer nicht alle gesetzlich vorgeschriebenen Naturausgleichsmaßnahmen durchgeführt. Die in der Trassenplanung vorgegebenen Ersatzprojekte auf 5796 Hektar stehen auf fast einem Drittel noch aus, hat das Umweltministerium in der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Landtagsabgeordneten Ursula Karlowski ermittelt. Die 324 Kilometer lange, 1,9 Milliarden Euro teure Autobahn war im Dezember 2005 nach 13 Jahren Planungs- und Bauzeit komplett für den Verkehr freigegeben worden.

Grüne und Umweltschützer toben: „Es ist völlig inakzeptabel, dass sich Bundes- und Landespolitiker bei der Einweihung von Autobahnen und Gewerbegebieten zwar gegenseitig auf die Schultern klopfen, die Zerstörung der Natur dann aber nicht, wie gesetzlich vorgeschrieben, unmittelbar vor oder nach der Baumaßnahme ausgeglichen wird“, kritisierte Karlowski gestern: „Dies bedeutet eine permanente Missachtung der Umweltgesetze und eine Missachtung des gesetzlichen Handlungsauftrages der Behörden.“ Davon kann keine Rede sein, hieß es im Verkehrsministerium. Ausgleichsprojekte für die A 20 hätten großräumige Renaturierungsmaßnahmen zum Ziel, die heimischen Großvogelarten wie Störchen und Kranichen neue Lebensräume geben sollen. Es würden jedoch nicht großräumig Flächen geflutet und dann Maßnahmen als erfüllt gemeldet. Vielmehr gehe es um langjährige Prozesse. „Renaturierung ist kein Komplettset aus dem Baumarkt“, wies Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) die Grünen-Kritik zurück.

Weit mehr als die Straßenbauer sind vielmehr private Investoren im Verzug: Den Angaben zufolge haben sie landesweit mehr als ein Drittel aller derzeit auf dem Plan stehenden 1605 Kompensationsmaßnahmen zu erfüllen. Von Ausgleichs- und Ersatzprojekten für neue Straßen, Stallanlagen, Gewerbegebiete oder Energietrassen waren zu Jahresbeginn aber lediglich 37 Prozent erfüllt, gab das Umweltministerium an. Die Behörde von Umweltminister Till Backhaus (SPD) sieht in der mangelhaften Umsetzung der Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen allerdings nur „gelegentlich Defizite“. Häufigste Ursache dafür seien fehlende Flächen. Es fehle auch an ausreichenden Kontrollen, kritisierte Janine Wilken vom Bund für Umwelt und Natur (BUND) in MV. Zwar seien Ausgleichsleistungen nach dem Bundesnaturschutzgesetz verpflichtend. Es würden aber keine Fristen gesetzt, bemängelte Wilken.

Kritiker befürchten indes weitere Verzögerungen: Für die derzeit im Bau befindliche neue Autobahn 14 wurde allein für das nur 16,2 Kilometer langen Teilstück in MV eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete im Land zerschnitten und 200 Hektar Wald abgeholzt – ein Vielfaches mehr als für die Ostseeautobahn, so das Umweltministerium. Für Ausgleich ist längst gesorgt, hält Pegel dagegen. Für die beiden Teilstücke – das erste soll Ende 2015 freigegeben werden – seien von den insgesamt 34 vorgesehenen Ausgleichsmaßnahmen bereits 30 begonnen und elf umgesetzt – 6,5 der eingeplanten 9,6 Millionen Euro seien bereits investiert. Für die A-14-Trasse von der A 24 bis Wismar stünden von 54 Maßnahmen noch zwölf aus.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen