Rostock : Nächster Halt: Fährhafen

Mit dem Schiff nach Schweden: Täglich kommen am Fährhafen in Rostock Flüchtlinge an, die nach Skandinavien weiterreisen wollen.
Mit dem Schiff nach Schweden: Täglich kommen am Fährhafen in Rostock Flüchtlinge an, die nach Skandinavien weiterreisen wollen.

Der Flüchtlingsansturm hält weiter an: Die Messehalle wird Notunterkunft. Unternehmer stellt 70 Plätze

svz.de von
14. September 2015, 06:30 Uhr

Flüchtlingsströme am Rostocker Hauptbahnhof: Seit Tagen kommen in der Hansestadt mehrere hundert Menschen an. Die meisten von ihnen sind auf der Durchreise nach Skandinavien. Sie bleiben für ein paar Stunden, häufig für einige Nächte, bevor sie ein Fährticket bekommen. Für die Stadt ist der Ansturm kaum zu bewältigen. „Das gesamte Engagement ist in den ersten Tagen allein durch Freiwillige organisiert worden“, bedauern die Initiatoren der Bewegung „Rostock hilft“. Erst gestern hätte der Verwaltungsstab der Stadt einen Krisenplan erarbeitet. Das sei dringend nötig gewesen, finden die Helfer, die in den vergangenen Tagen rund um die Uhr die Flüchtlinge am Bahnhof empfangen und zu den Fährterminals im Überseehafen begleitet haben. „Wir sind am Ende unserer Kräfte“, sagt Martin Arndt, Sprecher von „Rostock hilft“. Die Gemeinschaft hat sich am vergangenen Mittwoch formiert und konnte seither mehr als 200 freiwillige Helfer mobilisieren.

Da nicht jeder Weiterreisende sofort ein Fährticket bekommt, wurden provisorische Übernachtungsmöglichkeiten eingerichtet. Sowohl im Peter-Weiss-Haus, als auch im Mau-Club und im Jugend Alternativ Zentrum wurden Betten aufgestellt. In dem Gebäude der ehemaligen Hanseatischen Weiterbildungsgesellschaft in Marienehe gibt es außerdem 267 Schlafplätze. Zudem hat die Stadt zwei Turnhallen sowie ein leerstehendes Polizeigebäude zur Verfügung gestellt. „Ohne die Unterstützung vieler Rostocker wäre es nicht möglich gewesen, den Geflüchteten so umfassende Hilfe zukommen zu lassen“, weiß Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke).

Kreuzfahrtterminal als mögliche Erstaufnahme

In den nächsten Tagen erwartet die Stadt weitere Anstürme von durchreisenden Flüchtlingen. Die meisten kämen mit dem Zug aus Hamburg und planen eine Überfahrt nach Schweden. Allein gestern Abend seien 600 Menschen angekommen. Daher soll nun die Hanse Messe in Schmarl zum Auffanglager mit 600 Betten umfunktioniert werden. Diese hätte zum Vorteil, dass sie verkehrsgünstig in Hafennähe liege. Ob die in den nächsten Wochen geplanten Messen wie die RoBau in der Hanse Messe stattfinden oder in eine andere Räumlichkeit verlegt werden, ist bisher nicht geklärt. „Wir haben heute erst entschieden, dass wir die Messehalle für die Flüchtlingshilfe nutzen wollen“, betont Stadtsprecher Ulrich Kunze gestern. Zu der für die Stadt unvorhersehbaren Zahl von durchreisenden Geflüchteten, kommen die vom Land zugewiesenen Flüchtlinge. „Auch hier versuchen wir, auf die sehr kurzfristigen Ankündigungen so gut wie möglich zu reagieren“, so Bockhahn. Für die medizinische Erstversorgung stehen ab heute Ärzte der Uniklinik bereit. Weitere Herausforderungen bringt die vom Land Mecklenburg-Vorpommern beabsichtigte umgehende Einrichtung einer Erstaufnahmeeinrichtung in Rostock mit sich. Während das Land unter anderem das Kreuzfahrtterminal in Warnemünde in Betracht zieht, sucht die Hansestadt Rostock nach Alternativen. „Wir halten das Kreuzfahrtterminal nicht für geeignet. Deshalb werden derzeit mit Hochdruck Liegenschaften geprüft“, erläutert Kunze

Privatpersonen bieten Unterkünfte

Nicht nur in der Hansestadt Rostock werden in den kommenden Tagen weitere Flüchtlinge erwartet. Der Landkreis Ludwigslust-Parchim hat in Dargelütz bei Parchim eine weitere Notunterkunft eingerichtet. In der Nacht zu gestern wurden dort erste zugewiesene Flüchtlinge aufgenommen. Das Haus auf einem ehemaligen Armeegelände verfügt über 60 Plätze, bis gestern Mittag war bereits die Hälfte belegt. Schon in der vergangenen Woche hatte der Landkreis in Zahrensdorf, Heiddorf und Hagenow Notunterkünfte mit insgesamt 200 Plätzen geschaffen.
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Unternehmer Jürgen Baumgarten hat in Wittenburg sein Firmengelände für Flüchtlinge bereitgestellt. Derzeit werden dort 70 Syrer, Ukrainer und Russen untergebracht. Insgesamt will Baumgarten 150 Plätze einrichten. „Ich war überrascht, wie wenig sich die Behörden auf den Ansturm vorbereitet haben. Die Politik muss aufwachen“, unterstreicht der Unternehmer. Ähnliches hat auch Björn Kozik aus Dehmen bei Güstrow vor. Auf dem Gelände des Wichernhofes stünden zwei Einfamilienhäuser, die als Unterkunft genutzt werden könnten.
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