Myanmar hofft auf blühende Zukunft

Myanmarer feiern den ersten freien Wahlgang seit 25 Jahren.
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Myanmarer feiern den ersten freien Wahlgang seit 25 Jahren.

svz.de von
08. November 2015, 12:36 Uhr

Erstmals seit 25 Jahren haben die Menschen in der einstigen Militärdiktatur Myanmar frei ein neues Parlament gewählt. Offizielle Ergebnisse werden in den kommenden Tagen erwartet. Hauptgegner sind die militärnahe Regierungspartei USDP und die Nationalliga für Demokratie (NLD) von Aung San Suu Kyi (70). Auf den Sieger warten Mammutaufgaben. „Selbst die populärste und fähigste Regierung stünde in Myanmar vor gewaltigen Herausforderungen“, sagt Kyaw San Wai, Spezialist für Myanmar. Die Herausforderungen:

ARMUT: Das Militär hat das einst blühende Land in fast 50 Jahren Diktatur heruntergewirtschaftet. Myanmar gehört heute zu den ärmsten Ländern der Welt. Die neue Regierung muss massiv in Bildung und Gesundheit investieren und Auslandsinvestitionen anwerben, um Arbeitsplätze zu schaffen.

RECHT UND ORDNUNG: Korruption ist ein Riesenproblem. Unternehmer aus dem westlichen Ausland zögern mit Investitionen wegen der unklaren Rechtslage. „Die schwache Leistung des ganzen Justizwesens muss dringend angegangen werden“, sagt Trevor Wilson, Myanmar-Spezialist.

VERFASSUNG: Sie reserviert dem Militär ein Viertel der Parlamentssitze. „Myanmar ist keine Demokratie, solange die Verfassung nicht geändert wird“, sagt Wilson. „Die Herausforderung ist, dies zu schaffen, ohne die mächtige Armee zu provozieren.“

FRIEDEN: Myanmar hat mehr als 100 ethnische Minderheiten und Dutzende Rebellenarmeen, die seit Jahrzehnten um Autonomie kämpfen. Nur mit acht hat die Regierung gerade einen Waffenstillstand geschlossen. Die ethnischen Gruppen verlangen für Abgabe der Waffen eine föderale Struktur mit mehr Autonomie für die Regionen.

MENSCHENRECHTE: Ungelöst ist die Frage der gut eine Million Rohingya, einer muslimischen Minderheit. Bei gewalttätigen Unruhen wurden 2012 Dutzende Rohingya ermordet. Der Großteil der buddhistischen Bevölkerungsmehrheit unterstützt die Diskriminierung.

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