Plastikkarte : MV setzt auf die Bildungskarte

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Landkreise und Städte planen die Einführung der Plastikkarte – erste Erfolge in Mecklenburgischer Seenplatte

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26. Februar 2014, 16:21 Uhr

Einige Landkreise haben sie schon, andere wollen sie jetzt einführen – die Bildungskarte. Mit ihr soll die Nachfrage nach Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket gesteigert und die Bürokratie verringert werden – große Erwartungen, die an die kleine Plastikkarte geknüpft werden.

Der Landkreis Ludwigslust-Parchim führte die Karte im Juli ein. Der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte arbeitet sogar schon seit vergangenem Februar mit der Bildungskarte. „Seit der Einführung wurden knapp 50 Prozent mehr Anträge bei uns eingereicht“, sagt Christopher Klingenberg, Koordinator Bildung und Teilhabe im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte. Zu den Leistungen zählen unter anderem je nach Alter Mittagessen, ein- oder mehrtägige Ausflüge, persönlicher Schulbedarf, Nachhilfeunterricht sowie zehn Euro pro Monat für Mitgliedsbeiträge bei Sport- oder Kulturvereinen. Sie werden mit der Bildungskarte quasi wie mit einer Kreditkarte bezahlt.

Rechtliche Grundlage ist das zum 1. Januar 2011 in Kraft getretene Bildungs-und Teilhabepaket. Es soll dafür sorgen, dass auch Kinder sozial schwacher Eltern, insbesondere Bezieher von Arbeitslosengeld II oder Sozialgeld, bei Tagesausflügen und dem Mittagessen in Kita, Hort und Schule, bei Musik, Sport und Spiel in Vereinen und Gruppen mitmachen können.

„Wir rechnen mit der Einführung der Bildungskarte vor allem mit einem einfacheren Zugang zu Leistungen, die den Eltern und Kindern zustehen“, sagt Thomas Deiters, stellvertretender Geschäftsführer des Städte- und Gemeindetages. Vor allem komme es jedoch auf die Umsetzung des Bildungs- und Teilhabepaketes im Detail an. Auch wenn oft anders argumentiert werde: „Es ist nicht entscheidend, wer eine Karte hat, sondern wie sorgfältig mit den Anträgen umgegangen wird“, so Deiters. „Ich denke, dass sich der Trend zur Einführung der Bildungskarte in ganz Mecklenburg-Vorpommern durchsetzen wird.“

Jeder Karteninhaber hat eigene Zugangsdaten und kann sich beliebig oft in seinem Kundenkonto im Internet einloggen, um die Abrechnungen zu kontrollieren. Und auch jeder Anbieter, beispielsweise Sportvereine oder Nachhilfelehrer, kann anhand der Nummer auf der Karte sehen, welche Leistungen abgedeckt werden. So soll Transparenz geschaffen werden.

„Die Bildungskarte soll die Inanspruchnahme und die Abrechnung der Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket erleichtern“, erklärt Kerstin Weiss (SPD), Leiterin des Fachdienstes Soziales im Landkreis Nordwestmecklenburg. Noch in diesem Jahr soll die Karte im Nordwestkreis eingeführt werden. Dabei sei wichtig, dass die Karte sowohl den Nutzern als auch den Leistungserbringern und den Kostenträgern zugute kommt. Denn auf diesem Wege würden unbürokratisch gezielte Sachleistungen ermöglicht. Weiss betont: „Wir wollen so auch eine Stigmatisierung von Kindern vermeiden, die Leistungen in Anspruch nehmen.“

„Für die Bewilligung der Leistungen für Personen mit Wohngeldbezug ist der Landkreis zuständig, deshalb haben wir uns diese Vereinfachung überlegt“, sagt Weiss. Momentan befinden sich der Landkreis Nordwestmecklenburg und der Landkreis Rostock noch im Ausschreibungsverfahren, welche Firma die Plastikkarten vertreibt. Die Städte Rostock und Schwerin haben bereits einen Kartenanbieter gefunden.

Ziel ist es, einen geringeren Personalaufwand für Abrechnungsverfahren und Statistiken zugunsten einer besseren Beratung und damit Dienstleistung zu ermöglichen, so Weiss. Für die Einführung der Bildungskarte stehen im Nordwestkreis rund 30 000 Euro zur Verfügung. Die Anschaffung von kostenintensiven Lesegeräten ist Weiss zufolge nicht erforderlich, da das Verfahren per Internet und durch die Nummer auf der Karte funktioniert.

Familien, die die Karten beantragen möchten, sollten entweder bei ihrem Jobcenter oder beim Fachdienst Soziales in ihrem Landkreis anfragen. Der zuständige Leistungsträger prüft dann die Voraussetzungen und versendet gegebenenfalls die Plastikkarte.


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