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DAK-Gesundheitsreport : MV mit Rekord bei Krankschreibungen

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Der Krankenstand in MV ist 2010 zum vierten Mal in Folge gestiegen. Nur in Brandenburg werden so viele Menschen krank geschrieben wie in MV. Vor allem psychische Leiden nehmen zu.

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erstellt am 05.Apr.2011 | 08:02 Uhr

Schwerin | Der Krankenstand in Mecklenburg-Vorpommern ist 2010 zum vierten Mal in Folge gestiegen. Einer gestern in Schwerin veröffentlichten repräsentativen Statistik der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK) zufolge hat das Land mit 4,4 Prozent zusammen mit Brandenburg die höchste Krankenstandsquote. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 3,4 Prozent.

"Insbesondere mehr Fehltage aufgrund von psychischen Leiden haben zur Erhöhung beigetragen", so DAK-Landesgeschäftsführerin Regina Schulz. Bereits 2009 hatte es hier einen Zuwachs um neun Prozent gegeben, im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Fehltage aufgrund von Depressionen, Burnout und Co. sogar um 21 Prozent. Knapp jeder zehnte Fehltag wurde damit 2010 durch psychische Leiden verursacht.

Besorgniserregend: Schon junge Arbeitnehmer unter 30 Jahren leiden zunehmend an psychischen Krankheiten, auch wenn dort Atemwegserkrankungen, Verdauungsprobleme und Infektionen noch das Gros der Krankschreibungen bedingen. Die Statistik weist aber für diese Altersgruppe auch fünf Prozent Depressionen, sechs Prozent Anpassungsstörungen (also Reaktionen auf schwere Belastungen) und zehn Prozent Somatoforme Störungen - gesundheitliche Beeinträchtigungen ohne erkennbare körperliche Ursache - aus.

Unterforderung kann genauso wie Überlastung krank machen

Eine Erklärung dafür dürfte einerseits darin liegen, dass bereits 19 Prozent der jungen Erwerbstätigen ihren Arbeitsalltag als sehr belastend empfinden. "Dem gegenüber stehen allerdings auch 61 Prozent Berufseinsteiger, die das Gefühl haben, dass sie mehr könnten, als von ihnen verlangt wird", so Susanne Hildebrandt vom IGES Institut in Berlin, das den DAK-Gesundheitsreport erstellt hat. "Auch Unterforderung ist ein Gesundheitsrisiko, das ebenso wie dauerhafte Überlastung Stress erzeugen und dadurch krank machen kann", stellt DAK-Chefin Schulz fest, die an Arbeitgeber appelliert, bei ihren jungen Mitarbeitern für eine bessere Balance zwischen Fördern und Fordern zu sorgen.

Insgesamt liegt der Krankenstand junger Arbeitnehmer im Land mit 3,6 Prozent unter dem aller Erwerbstätigen. Dem DAK-Gesundheitsreport zufolge beurteilen zwölf Prozent der jungen Erwerbstätigen in Mecklenburg-Vorpommern ihren Gesundheitszustand als sehr gut und 62 Prozent als gut.

Auffällig ist allerdings, dass sie sich öfter krankschreiben lassen als Ältere: 169 Arbeitsunfähigkeits-Fälle bei 100 Arbeitnehmern unter 30 Jahren stehen 137 Atteste bei der gleichen Zahl Arbeitnehmer aller Altersgruppen gegenüber. Der DAK-Gesundheitsreport macht aber auch deutlich, dass junge Erwerbstätige deutlich öfter einen Arzt aufsuchen als ihre Altersgefährten, die noch nicht berufstätig sind. "Während junge Arbeitnehmer in MV auf 7,5 Behandlungsfälle im Kalenderjahr kommen, sind es bei ihren nichtberufstätigen Altersgenossen nur 4,1 Behandlungsfälle im Jahr", so Regina Schröder.

Eine Erklärung sei, dass Jüngere Fehlzeiten eher durch eine ärztliche Krankschreibung legitimieren würden - auch, weil ihre Position im Unternehmen meist noch nicht so gefestigt ist. Vielfach wüssten junge Arbeitnehmer - gerade in den neuen Bundesländern - aber auch gar nicht, dass ein ärztliches Attest nicht immer sofort, sondern in der Regel erst nach dem dritten Tag erforderlich ist", so die DAK-Chefin.

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