Kein Job wie viele andere: : Mulmiges Gefühl beim Fahneneid

Sechs    junge  Männer  legten  stellvertretend   für  alle  121 Rekruten  den   Fahneneid  ab.
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Sechs junge Männer legten stellvertretend für alle 121 Rekruten den Fahneneid ab.

Kein Job wie viele andere: In Hagenow wurden gestern 121 junge Bundeswehrangehörige vereidigt – Sorgen um künftige Einsätze machen sich vor allem die Eltern

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21. März 2014, 11:45 Uhr

Berlin, Hamburg, Kiel, Oberhavel, Cuxhaven… Wenn sich, wie gestern, eine Autoschlange durch Hagenow quält, in der auswärtige Kennzeichen dominieren, ist meist die Ernst-Moritz-Arndt-Kaserne der Bundeswehr das Ziel. Gestern legten dort 121 Rekruten des Panzergrenadierbataillons 401 ihr feierliches Gelöbnis ab. Gut 400 Angehörige und Freunde hatten sich dazu angemeldet –„die weiteste Anreise, nämlich 9550 Kilometer, hatten die Eltern eines Rekruten aus Mexiko Stadt“, so Presseoffizier Gerrit Schütt.

Schon gegen 10 Uhr, vier Stunden vor Beginn der feierlichen Vereidigung, trafen die ersten Besucher in Hagenow ein, erzählt Oberleutnant Schütt. Zur gleichen Zeit sprach Kanzlerin Angela Merkel in ihrer Regierungserklärung zur Krim-Krise und zum bevorstehenden Treffen des Europäischen Rates an, was auch viele Gäste des Gelöbnisses bewegte: „Ich sage allen Menschen, die Angst und Sorge haben: Militärisches Vorgehen ist keine Option für uns.“

Cornelia Rieper, die aus der Nähe von Kiel zur Vereidigung ihres Sohnes nach Hagenow gekommen ist, nimmt sie damit allerdings nur einen Teil ihrer Sorgen, denn in anderen Krisengebieten kommt die Bundeswehr ja zum Einsatz. „Mir geht es gar nicht gut bei der Vorstellung, dass mein Sohn auch im Ausland eingesetzt werden könnte. Nicht nur, dass er selbst in gefährliche Situationen geraten könnte – ich mag auch gar nicht da-ran denken, dass er vielleicht einmal in die Situation kommt, auf andere Menschen schießen zu müssen“, gesteht die Mutter. Trotzdem, so betont sie, sei sie stolz auf ihren Jungen, darauf, dass er seit Anfang Januar die Grundausbildung durchgestanden habe. Und überhaupt: Es sei seine Entscheidung, diesen Berufsweg einzuschlagen, deshalb unterstütze sie ihn.

Das betont auch Frank Albrecht, der aus Hamburg zur Vereidigung seines Sohnes gekommen ist. „Er will es, also akzeptiere ich das.“

„Wer freiwillig Pflichten zur Verteidigung von Frieden und Freiheit aller, die in unserem Staate leben, übernimmt, dem haben wir alle ganz herzlich zu danken – zu danken für Verantwortlichkeit, Verlässlichkeit, Gemeinsinn und Solidarität“, betonte Europaparlamentarier Werner Kuhn, der die Gelöbnisrede hielt. Soldat zu sein, sei kein Job wie viele andere. „Denn jeder Soldat muss bereit sein, Dienst in einer gefährlichen Welt zu leisten, er muss bereit sein, sich manchen Gefährdungen bei der Durchführung seines Auftrags auszusetzen – zwar nicht jederzeit und überall, aber doch prinzipiell.“

Auch Kuhn sprach die Befürchtungen an, die viele Menschen derzeit wegen des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine haben. Und er schlug den Bogen zur eigenen Vergangenheit: „Vor 25 Jahren waren wir hier im Osten auch in einer Situation, in der es kreuzgefährlich war. Wer weiß, was passiert wäre, wenn damals die sowjetischen Panzer aus den Kasernen gekommen wären.“

Mit dem militärisch gefährlichen Vulkan, auf dem wir damals lebten, sei die gegenwärtige Situation in keiner Weise vergleichbar. Allerdings habe sich die Erde seither auch nicht in ein „Paradies ewigen Friedens“ verwandelt. Auf anderen Kontinenten hätten Kriege und Konflikte zugenommen, in Afrika ebenso wie in Asien. Deutschland unterstütze die Stabilisierungsbemühungen der internationalen Gemeinschaft. Auch das Hagenower Bataillon sei seit 1997 bereits an elf Auslandseinsätzen beteiligt gewesen.

„Jeder Soldat, der freiwillig seinen Dienst in der Bundeswehr leistet, weiß sehr klar, dass es diese Einsätze gibt“, betont auch der Kommandeur des Hagenower Bataillons, Oberstleutnant Michael von Block-Schlesier. Das mulmige Gefühl, das die aktuelle Situation im Osten des Kontinents bei vielen Bürger n – „und auch wir Soldaten sind Bürger“ – auslöst, könne er verstehen. „Aber für uns sind jetzt Politiker und Völkerrechtler am Zug“, betont er, um dann zu bekräftigen, was am Vormittag schon die Kanzlerin betont hatte: „Militärisches Vorgehen ist keine Option.“

Die freiwillig Wehrdienstleistenden und Zeitsoldaten aus Hagenow hatten gestern diesbezüglich sowieso keine Sorgen. Nach dem Gelöbnis starteten sie mit ihren Familien in ein verdientes langes Wochenende – nach Berlin, Hamburg, Oberhavel, Cuxhaven oder Kiel.

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