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Öko-Energieträger sollen MV voranbringen : Mit viel Energie in den Wahlkampf

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Die Energiepolitik wird wohl eines der Wahlkampfthemen in Mecklenburg-Vorpommern: Fast zeitgleich stellten am Mittwoch die SPD ein neues Leitbild und die CDU eine neue Studie vor.

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erstellt am 02.Mär.2011 | 08:27 Uhr

Schwerin/Rostock | Die Energiepolitik wird wohl eines der Wahlkampfthemen in Mecklenburg-Vorpommern: Fast zeitgleich stellten gestern die SPD ein neues Leitbild und die CDU eine neue Studie vor. Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU) präsentierte in Rostock die Logistikstudie "Offshore Windenergie", die SPD-Landtagsfraktion und Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) legten in Schwerin das Papier "Wirtschaftliche Entwicklung durch Erneuerbare Energien" vor. "Purer Zufall" sei das, so der auf das Zusammentreffen angesprochene Sellering. Und machte zugleich klar: "Das Leitbild wird bei den Koalitionsverhandlungen auf den Tisch gelegt und gesagt, dass wir das wollen." Fraktionsvorsitzender Norbert Nieszery kündigte überdies an, dass "sämtliche Zuständigkeiten für die Erneuerbaren Energien" nach den Vorstellungen der Sozialdemokraten nach der Wahl in einem Ministerium gebündelt werden sollen. Gleich noch einen drauf setzte Sellering: Die Energiepolitik sei Chefsache, wiederholte er mehrfach.

Niedrige Lohnkosten

Zuvor hatte Wirtschaftsminister Seidel in Rostock "den enormen wirtschafts- und industriepolitischen Aspekt" der Windenergie für MV betont. Bis 2020 sollen vor den Küsten Deutschlands für 30 Milliarden Euro Windparks mit einer Gesamtleistung von zehn Gigawatt gebaut werden, sagte der Christdemokrat. "Es geht auch um die Wertschöpfungskette im Land. Vor zwei Jahren haben wir außerdem mit 2000 Arbeitsplätzen in dem Bereich gerechnet, heute sind wir bei 4000. Wenn wir diesen Rhythmus beibehalten, wäre das sehr gut", meinte Seidel. Mit der Studie zur Windenergie wolle man für weitere Firmenansiedlungen werben. "Wir können in dem Bereich den Anteil des verarbeitenden Gewerbes in MV nach oben treiben - was dringend notwendig ist", so der Minister.

Erarbeitet hat die Studie das englische Dienstleistungsunternehmen GL Garrad Hassan. Unter die Lupe genommen wurden die Häfen Rostock, Wismar, Sassnitz und Lubmin als Standorte für die Offshore-Industrie. Neben Windpark-Projekten in der Ostsee seien auch Vorhaben in der Nordsee bis nach Großbritannien und in der irischen See profitabel zu realisieren, heißt es. Anders als vielleicht angenommen, spielten die Transportkosten keine so große Rolle, da zum einen die Häfen über gute Voraussetzungen verfügten und zum anderen Mecklenburg-Vorpommern gegenwärtig auch mit niedrigeren Lohnkosten punkten könne, sagte Gutachter Daniel Argyropoulos. Bis 2020 aber werde dieser Standortvorteil "geringer, wenn die Lohnpreisentwicklung dem Trend der letzten Jahre folgt." Begegnen könne der Nordosten dem mit der Ansiedlung von Herstellern im Offshorbereich und Partnerschaften zwischen den Häfen. Auch mögliche Produzenten könnten kooperieren und sollten sich möglichst wenig Konkurrenz machen. "Gut positioniert sind die Unternehmen in MV für den Bau von Gründungsstrukturen und Fundamenten in der See", sagte Argyropoulos. Allerdings heiße es, schnell zu handeln und mit Blick auf die Konkurrenz vor allem in Großbritannien die genannten Vorschläge bis 2015 umzusetzen.

Bis 2030 hingegen soll Mecklenburg-Vorpommern nach den Vorstellungen der SPD "Vorzeigeland für intelligentes Energiemanagement" werden, sagte in Schwerin Fraktionschef Norbert Nieszery bei der Präsentation des Leitbildes "Wirtschaftliche Entwicklung durch Erneuerbare Energien". Beteiligt an der Erarbeitung waren unter anderem die TU Berlin und das Institut für ökologische Wirtschaftsförderung. Es gehe nicht alleine darum, den Folgen des Klimawandels zu begegnen, sondern auch um den wirtschaftlichen Strukturwandel im Land. Die Ziele: Bis spätestens 2020 soll der im Land benötigte Strom vollständig aus erneuerbaren Energien bezogen werden, bis 2030 soll die Wärmeversorgung zur Hälfte aus regenerativen Energien sichergestellt werden. Erreichen wolle man damit eine hohe Versorgungssicherheit, bezahlbare Energierechnungen, bis zu 22 000 neue und gut bezahlte Arbeitsplätze, eine Verdreifachung der Wertschöpfung im Land von derzeit 225 Millionen Euro auf 693 Millionen Euro im Jahr 2030 sowie neue Beteiligungsmöglichkeiten für Bürger, beispielsweise durch finanzielle Beteiligungen an Energieerzeugungsanlagen, so Nieszery. "Ich möchte aber auch klarstellen, dass wir keinen fundamentalökologischen Ansatz verfolgen, sondern einen wirtschaftspolitischen. Uns ist allen klar, dass wir nicht auf einen Energiemix verzichten können und Investitionen im Bereich der konventionellen Energien nicht ablehnend gegenüberstehen, wenn sie vernünftig sind", sagte der Fraktionsvorsitzende.

Werben für Bau neuer Leitungen

Ministerpräsident Sellering sieht in Sachen neues Energie-Leitbild drei Arbeitsfelder: "Da ist zum einen der Offshorebereich mit großen Anlagen. Mecklenburg-Vorpommern kann damit zum Exporteur von Strom werden. Ein weiterer Punkt sind Investitionen in kleinere Anlagen vor Ort, in regionale Kreisläufe. Und drittens muss der Strom auch vom Norden in den Süden transportiert werden. Dazu benötigen wir den Bau neuer Leitungen - eine ganz wichtige Aufgabe." Mit Blick auf die derzeitigen Debatten um den Bau von großen Leitungen meinte der Regierungschef, dass man nicht zugleich gegen Atom- oder Kohlekraftwerke sein und den Bau von Leitungen für den Transport von Strom beispielsweise aus Windkraft ablehnen könne. Wichtig sei - wie bei anderen Projekten auch -, die Bürger nicht nur formal zu beteiligen, sondern für die Ideen zu werben.

Häfen in MV: Stärken und Schwächen für die Windenergie (Quelle: dapd)
Die Entscheidung über die Häfen, die für die Verschiffung von Offshore-Windenergieanlagen genutzt werden, fällt beim Vergleich von drei Voraussetzungen: Länge und Tragfähigkeit von Kaikanten, zur Verfügung stehende Lager- und Produktionsflächen sowie der ungehinderte Zugang der Schiffe zu den Hafenanlagen. In Mecklenburg-Vorpommern kommt die Studie zu folgenden Ergebnissen:

Rostock

  • Hafenzufahrt tief genug für Installationsschiffe, aber kritische Breite für Schiffe mit Schwergewichtsfundamenten
  • große Lagerflächen für Rotorblätter, Gondeln und Kabel
  • es fehlt eine hohe Fertigungshalle zur Endmontage von Bauteilen

Lubmin

  • Hafenzufahrt tief genug für Installationsschiffe, aber kritische Breite für Schiffe mit Schwergewichtsfundamenten
  • Lager- und Produktionsflächen für Rotorblätter, Gondeln und Kabel
  • Endmontage großer Bauteile in alter Turbinenhalle möglich, die auch mit Schienen und Schwerlast-Brückenkränen ausgestattet ist


Wismar
  • Hafenzufahrt tief genug für Installationsschiffe, aber kritische Breite für Schiffe mit Schwergewichtsfundamenten
  • sehr hohe und breite Fertigungshalle


Sassnitz
  • Hafenzufahrt breit und tief genug für alle nötigen Transporte
  • Fertigungseinrichtungen direkt am Kai
  • bestehende Schweißkapazitäten für Gas-Pipeline könnten für Windpark-Bauteile genutzt werden


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