Mit Pfeil und Bogen auf der Jagd nach den Herrschern der Prärien

George Catlin, Auf der Büffeljagd, um1840
George Catlin, Auf der Büffeljagd, um1840

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11. Februar 2011, 03:56 Uhr

In einer der rasantesten und spektakulärsten Szenen des Films "Der mit dem Wolf tanzt" jagd Kevin Costner als Lieutenant John Dunbar mit seinen befreundeten Lakota Büffel, prescht mitten in die panisch fliehende Herde hinein und erlegt Tier um Tier. Er mit dem Gewehr, die Indianer mit Pfeil und Bogen.

Der Film blieb auch in diesen Szenen dicht an der Wahrheit. Die Pferde der Prärie-Indianer waren so dressiert, dass sie ohne den Einsatz des Zügels neben dem Büffel liefen. So konnten ihre Reiter die Pfeile direkt ins Herz des Bisons schießen. Der amerikanische Maler George Catlin, der um 1840 mehrere Indianerstämme besuchte, hat beobachtet, wie ein Indianer in seinem Köcher an die hundert Pfeile mit sich führte, von denen er 15 bis 20 in einer Minute abschießen konnte.

Mit der Jagd auf die oft zu Hunderttausenden zählenden Büffelherden sicherten die in den Prärien lebenden Stämme ihre Existenz. Dabei lieferte ihnen der Bison nicht nur Fleisch und Felle, sondern auch die Rohstoffe für das Überleben in ihrer kargen Heimat: Knochenmark diente als Zusatzstoff für Dörrfleisch, die Rippen fanden als Spanten für Kanus Verwendung, aus dem Schädel wurden Gefäße angefertigt und aus den Därmen Bogensehnen. Aus Knochen und Hufen kochten die Frauen Leim auf Feuern aus getrocknetem Büffelkot. Auch Zähne, Hörner oder Schulterblätter waren als hartes Material willkommen und Zunge und Augen neben dem Büffelsteak geschätzte Köstlichkeiten. Und selbst der Schwanz erfüllte noch seine Aufgabe - als Fliegenwedel.

Alles in allem ein durchaus vernünftiges Verbraucherverhalten. Allerdings konnten es sich einige Indianervölker nicht immer leisten, so rücksichtsvoll mit der Natur umzugehen. Weil Pferde, also auch die heute so berühmten Mustangs, erst mit den spanischen Eroberern wieder nach Amerika kamen und dort schnell heimisch wurden, griffen Jäger zuvor auch zu nicht ganz so nachhaltigen Methoden. Sie trieben ganze Herden über eine Felsenkante in den Abgrund oder kreisten die Tiere mit Grasbränden ein, wobei auch anderes Wild mit vernichtet wurde.

Die vielfach verklärte Kultur der nordamerikanischen Indianer, die nomadisierend und den Büffel jagend durch die Weiten der Prärien zogen, währte so nur eine kurze Zeit, in etwa zwischen 1630, als Spanier die ersten Pferde an Indianer verkauften, bis 1860/80, als weiße Siedler und Berufsjäger die Büffelherden nahezu ausrotteten. Den aufsässigen Lakota, Comanche, Blackfoot oder Kiowa sollte durch das Abschlachten der Büffel die Lebensgrundlage entzogen werden. Mit dem Tod der Büffel starb auch eine ganze Indianerkultur.

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