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Mit einer Partylaune fing alles an...

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erstellt am 08.Feb.2013 | 10:27 Uhr

Schwerin | Angefangen hat alles aus einer Partylaune heraus auf dem Pferdepark Crivitz - im Sommer 2010. "Viele Städte - Kiel, Neumünster, Münster - haben ein Hallenreitturnier. Warum soll das nicht auch in Schwerin gehen?" sagte sich Pferdewirtschaftsmeister Christian Strahlmann. "Christian wer?" - lautete der Kommentar der Szene. "In der Tat hatte ich zuvor keine großen Turniere durchgeführt. Auch konnte ich natürlich keine Reiter-Namen präsentieren. Es gab nur die Idee, die ich überall vortrug", so Strahlmann. Und der Glückspilz fand mit dem Gut Vorbeck einen Hauptsponsor, stemmte tatsächlich nach nur einem halben Jahr Planung die Premiere im Februar 2011 mit einem 350 000-Euro-Gesamtetat. Unterm Strich standen richtig Verluste - doch Strahlmann stand es dank familiärer Hilfe durch. Jetzt verkündet er, sichtlich gelöster als noch vor zwölf Monaten: "Ich will es noch viele Jahre machen!"

Seit gestern, 8 Uhr, haben die Pferde die MV-Landeshauptstadt unter ihre Hufe genommen, läuft die 3. Horse-Show-Auflage in der Sport- und Kongresshalle - mit über 1800 Starts das größte Hallenreitturnier des Nordostens. Und Stars der Szene geben sich erneut die Ehre, darunter Mannschaft-Weltmeister Carsten-Otto Nagel aus Wedel bei Hamburg sowie - Nagel eingeschlossen - gleich sechs Helden des Deutschen Springderbys in Hamburg-Klein Flottbek, dem schwersten Springen der Welt. Zum erlauchten Derby-Sieger-Kreis, der bis Sonntag in Schwerin sattelt, gehören mit Holger Wulschner aus Groß Viegeln bei Dummerstorf sowie dem Gadebuscher Thomas Kleis auch zwei Mecklenburger Reit-Asse.

Die Horse Show hat sich im Turnierkalender etabliert.

Schwerin und Pferdesport - das passt. Dabei bedarf es weit mehr als etwa 220 Radlader-Ladungen Kies in die Kongresshalle zu fahren. Solch ein Spezialreitboden ist nämlich das A und O, kosten die Spitzenpferde doch bis zu einer Million und mehr. So muss der Turnier-Sand eine 0,1er Körnung haben. "Kies zum Putzen hat eine 0,2er und rollt: Aber der Reitboden muss fest sein", erläutert der Horse-Show-Chef. Sein Spezialgemisch komme "aus drei Sandorten bei Güstrow, Rostock und dem Raum Schwerin-Parchim." Genaueres ist Betriebsgeheimnis. Zum Kies werden dann ein Anteil Ton sowie 2,5 Tonnen Vlies-Schnipsel und zerschredderte Fasern von Kunststoff-Wasserflaschen (PE-Fasern genannt) beigemengt. Strahlmann: "Ton und die Fasern speichern die Feuchtigkeit, das Vlies lässt den Boden federn, während die PE-Sachen im Gegensatz dazu wie die Bewehrung im Beton alles zusammenhält." Auf einem perfekten Reitboden dürfen die Pferde nach ihrem Satz über einen 1,40 Meter hohen Oxer bei der Landung lediglich 0,5 bis einen Zentimeter in den Boden eindringen!

Jetzt bekommt man eine Ahnung davon, warum die Reitböden eine Wissenschaft für sich sind und die Besten ihrer Zunft auch "Boden-Päpste" genannt werden. Allein der Reituntergrund zur Schweriner Turnierpremiere verschlang denn auch laut Strahlmann "die Kosten eines kleinen Einfamilienhauses". Zum Glück kann man das teure Stück aber mehrere Jahre verwenden…

Fehlt nur noch eines: Wasser marsch! 65 Liter kommen auf den Quadratmeter. Bei insgesamt 2079 m² Reitfläche verwandelt sich die Kongresshalle so in ein Feuchtbiotop. Strahlmann verdeutlicht es wie folgt: "Wenn du einige Minuten auf der Stelle stehst, muss sich um deine Füße herum eine Pfütze bilden", meint der 33-jährige Christian Strahlmann und grinst: "Ich stelle mir gerade vor, wie die im Hotel Crowne Plaza wohnenden Reiter mit ihren Stiefeln über den weinroten Teppich laufen."

Die Horse Show hinterlässt eben auch in den insgesamt drei Turnierhotels plus dem "Haus des Sports" so ihre Spuren.

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