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Mit Blaulicht in die Schule

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erstellt am 15.Apr.2013 | 09:38 Uhr

Rostock | Es ist ein diesiger Morgen in Rostock. Ein einziges Auto fährt auf der Straße, ein Wagen mit Blaulicht. Das Auto hält vor einer Schule und ein Mann steigt aus - Charly Hübner alias Alexander Bukow. Passanten gehen an dem Schauplatz vorbei und müssen ein, zwei oder auch dreimal hinschauen, um sicherzugehen, dass ihre Augen sie nicht täuschen. Aber nein, der bekannte Kommissar des Rostocker "Polizeirufs 110" steht tatsächlich vor der Rostocker Borwinschule. Die Jungen und Mädchen schauen neugierig aus den Fenstern und versuchen mit ihren Handys Fotos zu machen. Dort wird die neunte Folge des Polizeirufs gedreht. In den Drehpausen ist auch Zeit für ein, zwei Fotos mit dem Darsteller und bereits vor Drehbeginn verteilt der Schauspieler fleißig Autogramme an die Jugendlichen der Borwinschule. "Er ist unglaublich offen und freut sich immer riesig, wenn Passanten oder auch die Komparsen ihn um Fotos oder Autogramme bitten", erzählt der Casting-Leiter Detlev Bonnekoh.

Den 41-jährigen Charly Hübner verbindet neben seiner Rolle im Rostocker Polizeiruf noch mehr mit Mecklenburg-Vorpommern: Er wurde nämlich 1972 als Carsten Johannes Marcus Hübner in Neustrelitz geboren. Als Sohn der Gastwirte Johannes und Margitta Hübner wuchs er in der Feldberger Seenlandschaft auf. Bereits nach dem Abitur 1991 arbeitete er am Landestheater Neustrelitz als Schauspieleleve und Regieassistent. "MV ist ein tolles Land. Es ist klasse, einfach mal über die Landschaft zu schauen und man sieht nicht überall gleich ein Haus. Und auch die Menschen hier haben ihre eigene Art, die ich einfach super finde. Ich finde MV ist die Toskana von Deutschland", erklärt Hübner. Seiner Ansicht nach haben sich die Menschen in MV auch nach der Wiedervereinigung ihre Bescheidenheit und ihren Stolz bewahrt, wie in keinem anderen der neuen Bundesländer.

Das Einzige, was Hübner mit seiner Filmrolle, Alexander Bukow, wohl gemein habe, sei die Herkunft MV. Bukow ist anders, als Hübner in Rostock aufgewachsen und arbeitet schnell, zielorientiert und gibt nur wenig über sich selbst preis. "Ich bin auch nicht so mutig wie Bukow, aber das ist auch das Tolle an der Rolle, ich muss mich in jemand ganz anderen verwandeln", so der 41-Jährige. Die Entwicklung seiner Rolle gefalle ihm bei dieser Polizeiruf-Reihe besonders. "Der Sender wollte damals etwas anderes ausprobieren. Das musste er auch, weil sich die Fernseh-Szene zu der Zeit in einem Wandel befand und dabei ist diese Art von Polizeiruf entstanden. Er ähnelt amerikanischen Serien wie Dallas oder die Sopranos - mit jeder Folge machen die Personen eine Entwicklung durch", sagt der Schauspieler. Generell befinde sich die Tatort- bzw. Polizeiruf-Reihe in einer Art Umbruch, um auch junge Zuschauer für sich zu gewinnen. Die Wandelbarkeit, die Hübner als Bukow zeigt, brachte ihm für den Film "Unter Nachbarn" die Auszeichnung mit der goldenen Kamera zum "besten deutschen Schauspieler" ein. "Das war wirklich eine Überraschung für mich, mit so etwas rechnet man ja nun nicht. Das war für mich wie die Sahne auf einer guten Torte."

Auch wenn er sich gerne in eine solche Serie fügt, so hat er seine Wurzeln dennoch in der Theater-Schauspielerei. Mit dem Studium an der "Ernst Busch" Hochschule für Schauspielkunst legte er für diesen Erfolg den Grundstein. Sein Filmdebüt hatte Hübner mit dem Streifen "Himmelsbraut" im Jahr 1997. Dann legte er eine Pause ein und erst im Jahr 2003 begann seine Fernsehkarriere mit Rollen u.a. in "Wenn Weihnachten wahr wird" und im darauf folgenden Jahr "Männer wie wir". Seither ist er regelmäßig in TV-Filmen und -Reihen zu sehen, wie in Patrick Tauss Drama "Kahlschlag", Peter Klegevics und Hans-Günther Bückings Sat.1-Reihe "Blackout - Die Erinnerung ist tödlich", Jörg Grünlers ZDF-Film "Neger, Neger, Schornsteinfeger" sowie der Tatort-Reihe. Als Sketchpartner von Anke Engelke ist Hübner seit 2008 in der Comedyserie "Ladykracher" denen bekannt, die keinen Polizeiruf gucken. "Das ist eine spannende Arbeit. Wahnsinn, dass das schon fünf Jahre sind. Wir haben uns getroffen, da habe ich noch am Theater in Zürich gespielt und dann waren wir etwas essen. Danach hat sie mich angerufen und mich gefragt ,Bist du teuer?’ und ich habe zu ihr bloß gesagt ,Für dich nicht.’ und wir haben es zusammen versucht", erzählt der Hauptdarsteller. So verschieden sei die Arbeit bei einer Comedy-Serie und einer Krimiserie nicht, den wesentlichen Unterschied machen die Drehbücher aus, so der Schauspieler. Seit 2010 ermittelt er nun schon als Kommissar Alexander Bukow an der Seite von Schauspielerin Anneke Kim Sarnau als Katrin König in der Hafenstadt an der Ostsee. Und gemäß einer Hafenstadt regnet es an den Drehtagen. "Das Gute ist, dass durch das gleiche Wetter in Rostock die Übergänge der einzelnen Sequenzen nicht unnatürlich wirken. Auf solche kleinen Dinge muss auch immer bei einem Dreh geachtet werden, sonst nehmen uns die Leute das nicht ab. Hätte es jetzt nicht geregnet, müssten wir irgendwie die Straßen nass machen", erklärt Detlev Bonnekoh.

Welche Seiten Rostocks ausgewählt werden, entscheidet sich eigentlich immer nach dem aktuellen Fall. "Dadurch, dass wir oft in Milieus arbeiten, müssen wir auch die entsprechenden Bilder zeigen, daher kommt es den Leuten wohl so vor. Wir wollen aber eigentlich sowohl die schönen, als auch die hässlichen Seiten zeigen und diese hat ja jede Stadt", so Hübner. Seine Figur selbst lebe in einem schöneren Viertel, in der Rostock-Südstadt. Zudem spielen einige Szenen in dem neunten Teil auch am Warnowufer, am Rostocker Hafen. Bevor es aber für Charly Hübner dahin geht, muss er erst einmal mit dem Polizeiwagen zur Schule seines Sohnes fahren und rast deswegen durch eine eigentliche 30er-Zone mit 50 Kilometer pro Stunde. Dies aber nicht nur ein Mal. Nach dem ersten Versuch werden die Kamerabilder ausgewertet und nach einer anderen Perspektive gesucht, so dass Hübner wieder ins Auto steigen muss und noch ein Mal durch die Borwinstraße raste. "So viel kann ich schon verraten: Ich muss mit meinem Sohn ins Krankenhaus fahren, weil er einen Asthma-Anfall hat", erklärt Hübner.

Von 9.30 Uhr bis 15.30 Uhr war der Drehtag geplant. Obwohl lediglich drei Motive in Rostock gedreht wurden. "Es schlaucht schon, wenn wir eine Szene manchmal immer und immer wieder drehen, aber das ist meine Arbeit und ich mache sie gerne", sagt Hübner. Die aktuelle Folge befasse sich mit einem heiklen Thema. "Es wird ein Mann gefunden, dem ganz schön übel mitgespielt wurde - ihm wurde die Zunge abgeschnitten. Bei der Suche nach dem Mörder wird es für König und Bukow ans Eingemachte gehen, denn das ist eine wirklich verrückte Person. Das wird ein richtig krasser Film, ein echter Thriller", verrät Hübner. Der neunte Teil der Reihe Polizeiruf-Rostock wird wahrscheinlich erst im nächsten Jahr ausgestrahlt. Aber Fans von dem Gespann Bukow/König können sich schon in diesem Herbst auf die nächste Folge, die Achte, freuen. Für diesen Fall wurde eine wahre Gegebenheit als Vorbild gewählt. "In dem achten Teil geht es darum, dass ein Junge tot in einem Wald gefunden wird und das ähnelt einem wahren Fall vor ein paar Jahren in Rostock. Dieser wird sowohl Bukow als auch König ans Herz gehen", verrät Producerin Ilka Förster.

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