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Gewerbeauskunft-Zentrale nötigt sogar Kommunen und Feuerwehren : Mit Adress-Einträgen abkassiert

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Wer sein "Angebot" annimmt, stimmt einem kostenpflichtigen Eintrag in ein Online-Adressverzeichnis zu. Vertragsdauer: zwei Jahre. Monatliche Kosten zuzüglich Umsatzsteuer: 39,85 Euro.

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erstellt am 06.Jul.2011 | 07:42 Uhr

Schwerin/Neubranden -burg | Liana Rademske staunte nicht schlecht, als ihr dieser Tage eine Aufforderung der Gewerbeauskunft-Zentrale auf den Tisch flatterte. Ihr Arbeitgeber, die Krankenhausgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern, möge umgehend die gespeicherten Daten überprüfen und einen unterschriebenen Faxbogen an eine gebührenfreie Nummer zurückschicken, hieß es in dem Schreiben. Liana Rademske durchschaute als Juristin sofort, was der in Düsseldorf ansässige Absender bezweckte: Wer sein "Angebot" annimmt, stimmt einem kostenpflichtigen Eintrag in ein Online-Adressverzeichnis zu. Vertragsdauer: zwei Jahre. Monatliche Kosten zuzüglich Umsatzsteuer: 39,85 Euro.

Das Perfide an den Schreiben, die wieder in ganz Deutschland kursieren, ist ihre auf den ersten Blick amtliche Form, durch die der Eindruck erweckt wird, eine Antwort sei gesetzlich zwingend. Wohl deshalb fallen - obwohl Kammern und Verbände schon seit Jahren vor der Gewerbeauskunft-Zentrale warnen - immer noch Empfänger auf die Offerte herein. "Seit November sind bei uns 20 entsprechende Anzeigen von Unternehmern eingegangen", bestätigt Andreas Kraus, Sprecher der IHK zu Schwerin. "Die Dunkelziffer dürfte allerdings sehr viel größer sein." Vor allem in den letzten Wochen sei der Verlag bundesweit wieder verstärkt aktiv, so der Eindruck der Schweriner Kammer.

Das dürfte mit einem vom Deutschen Schutzverband gegen Wirtschaftskriminalität angestrengten Gerichtsverfahren zusammenhängen, in dessen Ergebnis das Düsseldorfer Landgericht mit Urteil vom 15. April die Angebotsschreiben der Gewerbeauskunft-Zentrale für rechtswidrig erklärte. Indem die Beklagte aber Berufung gegen das Urteil einlegte, schuf sie sich noch einmal Freiräume - und versucht nun offenbar so lange wie möglich, weitere arglose Kunden abzukassieren. Dabei beschränkt sie sich nicht mehr nur auf Gewerbetreibende, wie unter anderem das Beispiel der Krankenhausgesellschaft zeigt. "Auch Feuerwehren, Gemeinden und Kindergärten waren in den letzten Wochen von der massiven Faxversendung betroffen", weiß Andrea Grimme, Rechtsreferentin bei der IHK Neubrandenburg. Glücklicherweise habe die Kammer sich gerade im Mai mit den Gewerbeämtern der Region zusammengesetzt und sie über die Problematik informiert - "das war gut so, denn sie werden nun ganz massiv von Betroffenen um Rat gebeten", so Andrea Grimme. "Einzelne haben doch ihre Unterschrift da runter gesetzt, ohne offenbar das Kleingedruckte gelesen zu haben.", bedauert die Rechtsreferentin. Betroffene hätten sich dadurch in eine ganz schwierige Situation gebracht, die Gewerbeauskunft-Zentrale würde sie telefonisch massiv unter Druck setzen und mit einem gerichtlichen Mahnverfahren drohen. "Das hält nicht jeder aus", so Andrea Grimme. Auch Andreas Kraus in Schwerin bedauert, dass die juristische Auseinandersetzung nun wieder völlig offen ist. Die Empfehlung der Kammern an Geschädigte laute aber, sich weiterhin nicht zur Zahlung nötigen zu lassen.

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