Merkel und die Euro-Rettung

Kanzlerin Angela Merkel verteidigte gestern  die Ergebnisse des Gipfels. dpa
Kanzlerin Angela Merkel verteidigte gestern die Ergebnisse des Gipfels. dpa

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27. Oktober 2011, 07:54 Uhr

Berlin | Die Spuren der Nacht sind nicht zu übersehen. Müde, aber glücklich über das Ergebnis des Gipfel-Tauziehens, zieht Kanzlerin Angela Merkel (CDU) um vier Uhr in der Früh im Brüsseler Ratsgebäude vor der Presse Bilanz: "Ich bin sehr zufrieden mit den Ergebnissen", sagt Merkel mit einem Lächeln. Durchbruch nach harten Verhandlungen. "Das war vor ein paar Tagen noch alles andere als selbstverständlich", räumt die Kanzlerin ein.

Um kurz vor halb vier ist klar: Banken werden stärker zur Kasse gebeten, sollen auf 50 Prozent ihrer Forderungen aus Staatsanleihen verzichten. Schuldenschnitt für Griechenland, ein weiteres Hilfspaket für Athen in Höhe von 100 Milliarden Euro und die Hebelung des europäischen Rettungsfonds EFSF auf bis zu über einer Billion Euro - Aufatmen in Brüssel, Erleichterung in Berlin, Euphorie an den Finanzmärkten. Die Aktienkurse gehen deutlich nach oben und der Kurs des Euro steigt. Erst das Ja und die Kanzlermehrheit zum neuen Hilfspaket im Bundestag, dann das Feilschen mit den Staats- und Regierungschefs und der Poker mit den Banken beim EU-Gipfel - Merkel gelingt der Durchbruch. "Ich glaube, dass wir Europäer heute Nacht gezeigt haben, dass wir die richtigen Schlüsse gezogen haben", feiert die deutsche Kanzlerin den Gipfel-Erfolg nach einem zehnstündigen Verhandlungsmarathon. Es sei "das Richtige" für Griechenland und die Euro-Zone getan worden. Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy spricht von einer "historischen Entscheidung". Frankreichs Drängen auf ein stärkeres Engagement der Europäischen Zentralbank hatten die deutsche Kanzlerin und ihre Sherpas ebenso abgewehrt wie die Forderung nach einer geringeren Beteiligung der Banken.

Weit nach Mitternacht schaltete sich das deutsch-französische Führungsduo schließlich persönlich in die Verhandlungen mit den Bankenvertretern ein, setzte ihnen die Pistole auf die Brust und erreichte schließlich die Zustimmung. Laut sei es dabei zuvor geworden. "Wir haben unser Angebot angstfrei vorgebracht", deutet Merkel die harte Verhandlungslinie an. Man habe den Banken nur "ein einziges Angebot" gemacht und erklärt, "dass dies unser letztes Wort ist". Die "Eiserne Kanzlerin", wie Merkel in der Vergangenheit wegen ihrer resoluten Auftritte an den Brüsseler Konferenztischen genannt wurde, ist wieder zurück. Monatelang hatte die Kanzlerin auf kleine Schritte bei der Euro-Rettung gepocht, Forderungen nach einem Befreiungsschlag abgewehrt. Jetzt die Wende. Ihr Kurswechsel bei der Euro-Hilfe und die Zustimmung zur Hebelung des Rettungsfonds und der Billionen-Garantie bringt ihr Lob und Anerkennung der anderen Staats- und Regierungschefs. Doch Merkel scheint zu ahnen, dass ihr der Gipfel-Erfolg nur etwas Luft verschafft.

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