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Region zu Polen : Mehr Polizei soll Grenzkriminalität eindämmen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

In Region zu Polen allein in neun Monaten 20 Agrarbetriebe beraubt

svz.de von
erstellt am 16.Jan.2014 | 00:34 Uhr

„Wir fühlen uns endlich mit unseren Sorgen wegen der Kriminalität ernst genommen“, erklärt Petra Döhler, die Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Uecker-Randow. Ob Maschinen, Diesel, Saatgut oder Werkzeuge: In neun Monaten haben Kriminelle etwa 20 Agrarbetriebe im Süden Vorpommerns rund um Löcknitz bei Pasewalk heimgesucht. Allein hier liege der Schaden bei mehr als 160 000 Euro. Am Dienstagabend haben Döhler und danach auch die Bürgermeister der Region unweit von Stettin (Szczecin) ihre Sorgen MV-Innenminister Lorenz Caffier (CDU) und dem Polizeipräsidenten Knut Abramowski vorgetragen.

Fazit: „Die Grenzkriminalität ist als Schwerpunkt erkannt worden“, sagt Amtsleiter Lothar Meistring. Die Polizei will die Kriminalität in der Grenzregion zu Polen mit zusätzlichen Kräften, mehr Vorbeugung und besserer Kommunikation eindämmen. „Die Region Löcknitz und die Insel Usedom haben unser besonderes Augenmerk“, sagte Caffier. Die Polizei sei „wesentlich verstärkt“ worden, unter anderem durch Kräfte in Zivil. „Wir können aber nicht alles sagen, was da läuft“, erläuterte Abramowski.

Die Region Löcknitz, in der sich mehrere hundert polnische Familien niedergelassen haben und so den Bevölkerungsrückgang wettmachen, gilt als Beispiel für gelungenes Zusammenleben von Polen und Deutschen. Allerdings verzeichnen Rechtsextreme, die immer wieder Ängste voreinander schüren, in der Region überproportional hohe Wahlergebnisse. Erschwerend bewerten Experten, dass die Bundespolizei ihre Kräfte in der Region seit dem Beitritt Polens zum Schengen-Abkommen deutlich verringert hat.

Neben dem Diebstahl landwirtschaftlicher Technik sind Wohnungseinbrüche ein besonderer Schwerpunkt, erklärte Caffier. Das hinterlasse besonders schwere Probleme: „Ich habe auch keine Lust darauf, dass jemand meinen Kleiderschrank durchwühlt.“ Die Polizei sieht aber auch bei den Einwohnern selbst noch Reserven. So sollen Spezialisten des LKA Schulungen anbieten, wie man sich selbst und seine Grundstücke besser schützt.

Das sei dringend nötig, meint Alfons Heimer, Bürgermeister in Blankensee. Heimer wurde selbst mehrfach Opfer von Einbrechern. Einem Agrarbetrieb im Ort wurden mehrfach Großmaschinen gestohlen, sodass der Geschäftsführer einen nahen Grenzweg kurzerhand mit einem Steinhaufen für Fahrzeuge blockierte. Für besondere Aufregung sorgte der Diebstahl zweier Kälbchen. „Davon wurde nur eins auf privates Betreiben hin auf polnischer Seite wiedergefunden“, sagte Heimer. Er kritisiere, dass die Polizei zwar auf höherer Ebene kooperiere, an der Basis aber keine direkten Ansprechpartner auf der gegenüberliegenden Seite hätte.

„Ich kann nicht ausschließen, dass es da manchmal nicht optimal läuft“, erklärte der Polizeipräsident. Man wolle das aber verbessern, gemeinsame deutsch-polnische Streifen gebe es schon. Auch soll der Zoll Polizeibefugnisse bekommen, stellte Caffier in Aussicht. Zudem soll ein seit Jahren bei Blankensee geplanter Funkmast endlich aufgestellt werden und die Kommunikation verbessern.

Wie gut das mit der Zusammenarbeit von Zoll, Bundes- und Landespolizei laufen kann, hat gerade der Bürgermeister von Glasow, Gert Zweigler, erlebt. Beim Einbruch in einem Agrarbetrieb hätten Beamte den Ort erstaunlich schnell abgeriegelt. Von den drei Einbrechern wurde einer ertappt, zwei konnten bei Dunkelheit zu Fuß fliehen.

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