Bildung MV : Mehr Deutsch für Grundschüler

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Die Rechtschreibung vieler Schüler in Mecklenburg-Vorpommern lässt zu wünschen übrig. Jetzt steuert die Bildungspolitik gegen.

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03. November 2015, 06:00 Uhr

In Grundschulklassen des Landes soll es ab 2017/18 eine Deutschstunde je Woche mehr geben. Dies gehört, wie auch die Veränderung der Rahmenpläne, zu einem Maßnahmenpaket zur Stärkung des Deutschunterrichts an Grundschulen, das Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) gestern zusammen mit Bildungsexperten der Landtagsfraktionen von SPD und CDU in Schwerin vorstellte.

Grundsätzlich betonte der Minister allerdings, dass die Rechtschreibleistungen von Grundschülern in MV nachweislich besser seien als anderenorts. Brodkorb machte das an der letzten bundesweiten Vergleichsarbeit Vera 3 und einer Testwiederholung mit denselben Kindern ein Jahr später fest. Während 2013/14 noch 37 Prozent der Drittklässler unter den Mindeststandards für die 4. Klasse blieben, waren es ein Jahr später nur noch elf Prozent der Viertklässler. Der Anteil der Kinder mit optimalem Kenntnisstand stieg von fünf auf 23 Prozent.

Brodkorb weiß aber auch: Grundschullehrer – und nicht nur sie – beobachten einen signifikanten Rückgang der Rechtschreib- und Grammatikkenntnisse gegenüber dem Niveau in der DDR. Darauf haben die Koalitionäre nun reagiert. So bekommen Eltern von Schulanfängern bereits ab dem kommenden Schuljahr einen Ratgeber, der ihnen erklärt, wie sie zu Hause zur Förderung von Lese- und Rechtschreibkompetenz beitragen können. Ebenfalls 2016/17 soll ein verbindlicher Grundwortschatz für die Klassen 1 bis 4 eingeführt werden – wie es ihn auch zu DDR-Zeiten gab. Es sei ein „bildungspolitischer Treppenwitz der Geschichte“, dass selbst Länder wie Bayern solche verbindlichen Wortschätze kennen, hier im Land aber „nach der Wende alles abgeschafft wurde, was aus der DDR kam, selbst wenn es sinnvoll war“, so Brodkorb.

Lehrer sollen auf Basis der neuen Rahmenpläne und Stundentafeln weitergebildet werden – „weg von der Kopiervorlage, wieder hin zur Tafel, von der die Kinder sich die Aufgaben abschreiben“, beschreibt Brodkorb das Ziel.

Künftig soll es verbindlich in allen ersten und zweiten Klassen je sieben und in den dritten und vierten Klassen je acht Wochenstunden Deutschunterricht geben. Bislang können es in den Klassen eins und zwei auch nur sechs Stunden sein, die Klassen drei und vier haben derzeit sieben Stunden Deutsch pro Woche. Künftig gibt es dafür eine Stunde Sachkundeunterricht weniger. Im Gespräch, so CDU-Bildungsexperte Torsten Renz, sei ferner, die Zahl der Englischstunden in den dritten und vierten Klassen von drei auf zwei zu verringern. Hier wolle man sich aber noch mit Praktikern kurzschließen.

Die oppositionelle Linke fordert dagegen, dass zusätzlicher Deutsch- und Mathematikunterricht nicht zu Lasten anderer Fächer erfolgen dürfe. „Ein Umschaufeln bereits vorhandener Stunden bringt keinen Wissenszuwachs“, so Bildungsexpertin Simone Oldenburg.

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