60-Jähriger zu Geldstrafe und Führerschein-Entzug verurteilt : Mehr als drei Promille am Steuer

Bitte pusten:  Etwa 3500 Kraftfahrer werden  hierzulande  jährlich wegen einer Trunkenheitsfahrt verurteilt.  dpa
Bitte pusten: Etwa 3500 Kraftfahrer werden hierzulande jährlich wegen einer Trunkenheitsfahrt verurteilt. dpa

Mit 3,3 Promille im Auto unterwegs - Das führte Erwin K. wegen vorsätzlicher Trunkenheit im Verkehr auf die Anklagebank. Rund 3500 Fahrer werden alljährlich in MV wegen einer Trunkenheitsfahrt verurteilt.

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09. Februar 2011, 07:52 Uhr

Ludwigslust | Der außergewöhnliche Fahrstil fiel auf. Schlangenlinien, die jeden Überholversuch auf der Landstraße unmöglich machten. Als der Mann mit seinem Passat auch noch gegen einen Begrenzungspfahl prallte, zögerten die Zeugen im Auto dahinter nicht länger. Sie riefen die Polizei – und verhinderten so wahrscheinlich eine größere Katastrophe. Der Fahrer, den die Beamten nur wenige Minuten später buchstäblich aus dem Verkehr zogen, war sturzbetrunken. Schon beim Pusten zeigte das Messgerät mit 2,9 Promille einen überdurchschnittlich hohen Wert an. Der sehr viel genauere Blutalkoholtest, etwa anderthalb Stunden später vorgenommen, ergab dann sogar 3, 3 Promille.
Das führte Erwin K.* unweigerlich wegen vorsätzlicher Trunkenheit im Verkehr auf die Anklagebank. Dort ist der 60-Jährige in (un)guter Gesellschaft. Rund 3500 Fahrer werden alljährlich in Mecklenburg-Vorpommern wegen einer Trunkenheitsfahrt verurteilt.

Bei seinem Prozess gestern vor dem Amtsgericht Ludwigslust legte der Angeklagte gleich zu Beginn ein Geständnis ab. Er habe am Tattag im Juni vorigen Jahres bereits am Vormittag Bier und Korn getrunken. Nur deshalb, so seine Erklärung, weil ihm die Schmerzmittel ausgegangen waren. Tabletten, die er nach einer schwierigen Operation habe einnehmen müssen. Da habe er eben auf ein Ersatz-Narkotikum zurückgegriffen. Und weil seine Frau prompt sauer war wegen des frühen Alkoholkonsums und sich weigerte, ihm ein Essen zuzubereiten, habe er sich eben ins Auto gesetzt, um eine Bockwurst zu kaufen. In Tewswoos, gut fünf Kilometer von seinem Dorf entfernt. Zurück kam er nicht mehr allein, schließlich wurde ihm schon wenig später der Führerschein abgenommen. „Ehrlich, ich trinke sonst überhaupt keinen Alkohol“, versichert er.

Aber das glauben weder Gutachter noch Staatsanwalt. Mit über drei Promille „im Turm“ schaffe man es nicht mal, die Autotür zu öffnen, wenn man Alkohol nicht gewohnt ist, meint Staatsanwalt Stephan Redlin. Der Gutachter sieht das ähnlich und ergänzt: „Der Angeklagte war absolut fahruntüchtig“. Dafür gilt gemeinhin schon eine Grenze von 1,1 Promille. Weil K. der viele Alkohol eben doch benebelt hat, schließt der Sachverständige eine verminderte Schuldfähigkeit nicht aus.
„Sie scheinen ein Alkoholproblem zu haben“, fasst Strafrichterin Sigrid Müller zusammen, für die Trunkenheitsfahrten zum Prozess-Alltag gehören. Sie verurteilt Erwin K. zu einer Geldstrafe in Höhe von 700 Euro. Sein Führerschein darf ihm frühestens in sieben Monaten ausgehändigt werden. Außerdem muss er die Medizinisch-Psychologische Untersuchung bestehen – den berüchtigten „Idiotentest“–, wenn er jemals wieder ein Fahrzeug steuern will.

*Name geändert

Strafen bei Trunkenheit

Ab 0,3 bis 0,5 Promille
Nicht strafbar wenn keine Anzeichen für Fahrunsicherheit vorliegen. Bei Beteiligung an einem Unfall und Anzeichen von Fahrunsicherheit sieben Punkte in Flensburg, Geldstrafe.

Ab 0,5 bis 1,1 Promille
Ersttäter: 500 Euro Strafe , vier Punkte in Flensburg und einen Monat Fahrverbot.
Bereits einen Eintrag: 1000 Euro Strafe, vier Punkte in Flensburg und drei Monate Fahrverbot.
Bereits zwei Einträge: 1500 Euro Strafe, vier Punkte in Flensburg und drei Monate Fahrverbot.

Ab 1,1 Promille
Geldstrafe oder Freiheitsentzug, sieben Punkte in Flensburg, sechs Monate bis fünf Jahre Entzug der Fahrerlaubnis. Bei Ersttätern sind bei einem Entzug der Fahrerlaubnis ein bis zwei Netto-Monatslöhne und eine Sperrfrist von 6 bis 12 Monaten üblich.

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