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Freie Auswahl bei Kfz-Kennzeichen : Mecklenburger sagen Nein

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Kreise und Städte erhalten nach Plänen der Bundesregierung freie Hand für ein Comeback alter Kfz-Kürzel, Eine gute Idee? Im Nordosten stößt der Plan auf wenig Gegenliebe, wie unsere Umfrage gestern ermittelte.

svz.de von
erstellt am 21.Aug.2012 | 07:49 Uhr

Es ist ein beliebtes Spiel, um lange Autofahrten oder Wartezeiten im Stau zu verkürzen. Welches Kürzel auf den Nummernschildern der Fahrzeuge steht für welche Stadt? Die jetzt schon nicht geringe Anzahl an Kfz-Kennzeichen könnte sich bald deutlich vergrößern, sollten die Pläne von Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) umgesetzt werden.

Zurück zu den guten alten Nummernschildern? Weg mit „BO“ für Bochum, her mit „WAT“ für Wattenscheid? Ramsauer will Kreisen und Städten freie Wahl lassen, alte regionale Kennzeichen, die im Zuge von Kreis- und Gebietsreformen verschwunden sind, wieder zu vergeben, aber auch neue Kürzel. Einer Verordnung von Verkehrs- und Innenministerium soll im September der Bundesrat zustimmen.

Lokalpatriotisches Bekenntnis oder Chaos total? Verkehrsstaatssekretär Andreas Scheuer verteidigte die Pläne: „In einigen Bundesländern gibt es ein großes Interesse daran, die alten regionalen Kennzeichen wieder einzuführen. Da sind die früheren Kennzeichen sehr populär“, erklärte er gestern im Gespräch mit unserer Redaktion. „Damit schaffen wir Wahlfreiheit. Kfz-Kennzeichen sind für viele Autofahrer noch immer etwas sehr Emotionales“, sagte der CSU-Politiker.

Die Vergabe von neuen und alten neuen Kennzeichen muss von den Ländern beim Bundesverkehrsministerium beantragt werden. Die Kürzel dürfen jedoch „nicht gegen die guten Sitten verstoßen“, heißt es im Entwurf der Richtlinie, der unserer Berliner Redaktion vorliegt. Buchstabenkombinationen wie „SA“ oder „SS“ sollen ausgeschlossen sein. Die Kosten für die neuen Kennzeichen und die Gebühren für die Ummeldung tragen die Kfz-Halter.

Das Nummernschild könne so zu einer „lokalpatriotischen Botschaft“ werden, ließ Ramsauer durch eine Sprecherin erklären. Der Minister schreibe den Kfz-Buchstaben große emotionale Bedeutung zu: „Kennzeichen sind für die meisten Autofahrer eine Herzensangelegenheit. Sie sind Ausdruck von Heimatverbundenheit, Heimatliebe und Identifikation“. Der Vorstoß gehe auf eine Initiative Thüringens bei der letzten Länderverkehrsministerkonferenz zurück, heißt es in der Bundesregierung. Nach den Gebiets- und Kreisreformen in den neuen Bundesländern in der jüngsten Vergangenheit gebe es dort bei vielen Autohaltern den Wunsch, das alte Kennzeichen weiter führen zu dürfen.

Der Deutsche Landkreistag schlägt Alarm und lehnt die geplante Freigabe von Kfz-Kennzeichen ab: „Anstatt eine Stärkung regionaler Identität zu bewirken, führt die auf Bestreben einiger weniger Bundesländer geplante Änderung des Kennzeichenrechts vielmehr absehbar zu einem ,Kennzeichenwirrwarr’“, warnt Landkreistags-Präsident Hans Jörg Duppré und erhält Unterstützung vom Landkreistag NRW: Dort warnt man vor „einer weiteren Zersplitterung der Kennzeichenlandschaft“, befürchtet „erhebliche Nachteile für die Kriminalitätsvorbeugung und -bekämpfung“.




Ergebnis unserer Umfrage

Ramsauers Vorstoß zur Einführung neuer Kfz-Kennzeichen für Gemeinden stößt zumindest bei uns im Nordosten nicht sonderlich auf Gegenliebe. Fast die Hälfte aller Umfrage-Teilnehmer (47.82%) auf unseren Websites und hier bei Facebook sprachen sich dagegen aus, halten diesen Vorschlag für Geldschneiderei. Die Einführung würde nur Mehrbelastungen und Chaos in den ohnehin belasteten Ämtern bedeuten. 18,34 Prozent war es egal. Nur ein Drittel (33,84) fände es schön, mit einem speziellen Nummernschild Werbung für die Heimat zu machen.


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