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Betreuung : Mama, Tagesmutter oder Krippe?

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Das Deutsche Jugendinstitut hat erstmals seit Inkrafttreten des Rechtsanspruchs die Betreuungssituation von Kleinkindern analysiert

svz.de von
erstellt am 09.Jun.2014 | 09:00 Uhr

Es ist ein Glaubenskrieg zwischen Parteien, zwischen Ost und West, zwischen jüngeren und älteren Eltern: Ist es besser für Kinder, wenn sie in den ersten Lebensjahren ausschließlich zu Hause betreut werden? Oder können bereits den Jüngsten in der Kita Kompetenzen vermittelt werden, die ihnen das Elternhaus nicht mitgeben kann? Sollten Mütter ihre Selbstverwirklichung hinter das Wohl ihrer Kinder zurückstellen? Oder dürfen sie schon wenige Monate nach der Geburt ihres Kindes wieder arbeiten gehen?

Die Bundesregierung hat den öffentlichen Disput über diese Fragen noch weiter angekurbelt, als sie in den zurückliegenden Jahren Milliarden in den Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen investierte und ab August 2013 einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz im zweiten und dritten Lebensjahr einführte.

Das Deutsche Jugendinstitut (DJI) in München hat jetzt erstmals untersucht, welchen Einfluss der Rechtsanspruch auf die Entwicklung des Betreuungsangebots in den einzelnen Bundesländern hat. Die Datensammlung wird in der kommenden Woche veröffentlicht, unserer Redaktion liegt sie jetzt bereits vor. Vor allem Niedersachsen holt demnach stark auf. Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern halten ihr hohes Angebot, Thüringen und Rheinland-Pfalz bauen noch weiter aus. Nur wenig tut sich dagegen in Nordrhein-Westfalen und Bayern.

Nach wie vor ist in Ostdeutschland der Anteil der Kinder, die außer Haus betreut werden, sehr viel größer. Während hier fast die Hälfte der unter Dreijährigen Angebote der Tagesbetreuung in Anspruch nimmt, ist es im Westen nur ein Viertel. Im Osten werden drei Viertel der Krippenkinder ganztags betreut, im Westen dagegen nur 40 Prozent – oft wird dort lediglich Halbtagsbetreuung angeboten.

Dafür ist es in den alten Bundesländern deutlich besser um Personalressourceneinsatzschlüssel und Gruppengrößen bestellt. Unter dem Bundesdurchschnitt von 1:4,3 – eine Fachkraft betreut 4,3 Kinder – lagen im Jahr 2013 laut DJI 331 von 365 westdeutschen Jugendamtsbezirken, aber nur ein einziger von 76 Jugendamtsbezirken im Osten. Verglichen mit Zahlen aus dem Jahr 2012 stagnierte die Personalausstattung in 71,1 Prozent aller ostdeutschen Kreise, in 13,2 Prozent hatte sie sich sogar verschlechtert. Mecklenburg-Vorpommern hat das DJI dabei ausgenommen, da wegen der Kreisgebietsreform Vergleichsdaten fehlen.

Hier allerdings alarmieren andere Eckdaten: Nur in der Stadt Rostock liegt der Anteil der Erzieherinnen und Erzieher in Kitas, die 50 Jahre und älter sind, unter einem Drittel (29,2 Prozent). Das Gros der Kreise beschäftigt in dieser Altersgruppe mehr als 38 Prozent der pädagogischen Fachkräfte. Am ältesten ist das Personal in den Kindertagesstätten Nordwestmecklenburgs: Hier sind bereits 43,1 Prozent 50 Jahre oder älter.

Spannend sind die Untersuchungsergebnisse auch in Bezug auf andere Unterschiede innerhalb einzelner Länder. In Mecklenburg-Vorpommern beispielsweise nutzen in Rostock 57 Prozent der Eltern von unter Dreijährigen Angebote der Kindertagesbetreuung. In Schwerin dagegen sind es nur 54,8 Prozent, in Ludwigslust-Parchim sogar nur 50,1 Prozent. Noch deutlicher sind die Unterschiede beim Betreuungsumfang: Während in der Stadt Rostock 80,3 Prozent der Kleinkinder in Tagesstätten ganztags betreut werden, sind es im Landkreis Rostock nur 72, Prozent, an der Mecklenburgischen Seenplatte 66,7 und in Vorpommern-Greifswald sogar nur 62,1 Prozent.

Während die Wissenschaftler bei derartigen Schwankungen für die alten Bundesländer eine ganze Liste von Einflussfaktoren aufspürten, hatten hier im Osten nur wenige dieser Faktoren einen signifikanten Einfluss auf die Inanspruchnahme von Kinderbetreuung: So stieg die Quote dort, wo mehr Frauen erwerbstätig waren. Zudem werden hier deutlich mehr Kleinkinder im Umfeld von Städten fremdbetreut als in ländlichen Gemeinden. Überraschend: Dort, wo überdurchschnittlich viele Menschen der evangelischen Kirche angehören, gehen im Osten weniger Kinder in eine Krippe oder zur Tagesmutter. Einleuchtend ist dagegen ist eine weitere Determinante: Mit dem Anteil der Linken-Wähler steigt die Inanspruchnahme von Kinderbetreuungsangeboten. Weniger ausgeprägt ist der Einfluss des Faktors Fertilität, also Fruchtbarkeit. Auch in Ostdeutschland zeigt sich aber mittlerweile: Je mehr Geschwister ein Kind hat, umso wahrscheinlicher ist, dass es zu Hause und nicht in einer Einrichtung betreut wird.

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