Gleichstellung : Männer verdienen 22 Prozent mehr

Noch immer gibt es große Unterschiede bei der Entlohnung von  Mann und Frau.
Foto:
Noch immer gibt es große Unterschiede bei der Entlohnung von Mann und Frau.

Gleichberechtigung der Geschlechter schreitet nur mühsam voran

svz.de von
31. Juli 2014, 11:55 Uhr

In den Chefetagen deutscher Unternehmen haben immer noch vorwiegend die Männer das Sagen: Frauen stellten 2012 nur 29 Prozent der Führungskräfte. 20 Jahre zuvor waren es 26 Prozent. Diese Daten nannte gestern das Statistische Bundesamt in Berlin. Fazit der Forscher: Die Gleichstellung von Mann und Frau schreitet nur mühsam voran.

Auch bei der Bezahlung zeigen sich nach wie vor deutliche Unterschiede. 2013 war der durchschnittliche Bruttostundenverdienst von Männern in Deutschland 22 Prozent höher als der von Frauen. Dass diese Lücke nicht so groß sein muss, zeigen EU-Staaten wie Frankreich oder Schweden, wo der Unterschied nur 15 beziehungsweise 16 Prozent beträgt. In Belgien liegt der Unterschied gar nur bei 10 Prozent. Nur in Österreich ist er mit 23 Prozent noch größer.

Rechnet man Faktoren wie mangelnde Frauenpräsenz in Spitzenjobs, Teilzeitarbeit, Berufserfahrung und branchenspezifische Arbeitsplatzanforderungen heraus, bleibt bei der Entlohnung immer noch eine Differenz von sieben Prozent zugunsten der Männer – die lässt sich statistisch nicht erklären.

Eine Möglichkeit wäre, dass Männer schon beim Berufseinstieg geschickter als Frauen um den Lohn verhandeln. Diese Unterschiede beim Verdienst ziehen sich dann häufig durch die gesamte Karriere. Bundesfrauenministerin Manuela Schwesig (SPD) kritisierte, dass das Mann-Frau-Lohngefälle in Deutschland weit höher ist als in manch anderem EU-Land. „Wir wollen die Entgeltgleichheit von Frauen und Männern durchsetzen und werden dazu ein Entgeltgleichheitsgesetz auf den Weg bringen. Denn endlich muss das Prinzip gelten: gleicher Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit.“ Dabei haben die Frauen in Sachen Bildung in den vergangenen 20 Jahren gewaltig aufgeholt. Mit 54 Prozent streben heute mehr Mädchen als Jungen das Abitur an. Die Jungs sind dagegen mit 64 Prozent in den Förderschulen überrepräsentiert. Ein Studium beginnen heute genau so viele Frauen wie Männer. Mit steigendem Qualifikationsniveau nimmt allerdings der Frauenanteil wieder ab: 45 Prozent der 2012 vergebenen Doktortitel gingen an Frauen. Im gleichen Jahr waren von den frischgebackenen Professoren nur 27 Prozent Frauen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen