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"Loveparade wurde zum Totentanz"

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erstellt am 01.Aug.2010 | 06:16 Uhr

Duisburg | In einer bewegenden Trauerfeier und bei Gedenkzügen haben zehntausend Menschen in Duisburg der Opfer der Loveparade gedacht. Die Menschen nahmen in den Kirchen der Stadt, im Fußballstadion und bei Trauerzügen am Wochenende Abschied von den 21 Toten der Katastrophe. Millionen trauerten während der Übertragung des zentralen Gottesdienstes in den eigenen vier Wänden mit.

Bundespräsident Christian Wulff und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprachen den Angehörigen ihr Mitgefühl aus. "Die Loveparade wurde zum Totentanz", fasste der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Nikolaus Schneider, das tragische Geschehen vom 24. Juli zusammen. Beim Gedenkgottesdienst in der Duisburger Salvatorkirche versprach Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) am Samstag den Angehörigen Aufklärung, wer für die Massenpanik mit 21 Toten die Verantwortung trägt. Wulff regte die Einsetzung eines Ombudsmannes, die Einrichtung eines Hilfsfonds für die Opfer und ihre Hinterbliebenen sowie ein Frühwarnsystem vor Großveranstaltungen an.

Familien und Freunde konnten nach dem Gottesdienst - abgeschirmt von der Öffentlichkeit - an der Unglücksstelle um ihre Toten trauern. Später zogen 5000 Trauernde in die Nähe der Unglücksstelle und ließen symbolisch 21 schwarze und 511 weiße Luftballons für die Toten und Verletzten steigen. Auch am Sonntag zogen Trauernde durch die Stadt. Tausende verfolgten die einstündige Übertragung des Gottesdienstes in zwölf Kirchen und im Fußballstadion des MSV Duisburg. Dort fanden sich statt der erwarteten Zehntausenden aber nur 2600 Besucher zusammen. Auf dem Rasen lag ein schwarzes Holzkreuz.

Am Tunnel, dem Zugang zur Loveparade, lagen schon vor der Trauerfeier Kränze von Wulff, Merkel und anderen Repräsentanten. Die schwarzen, roten und dunkelgelben Blumen darauf symbolisieren die Nationalfarben. Sie liegen in einem Meer von Kerzen, die die Menschen abgestellt haben. In Deutschland war Trauerbeflaggung angeordnet. Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) fehlte bei der Gedenkfeier ebenso wie Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller. Sauerland hatte gesagt, er wolle die Trauernden nicht provozieren. Die Linken im Rat haben inzwischen einen Abwahlantrag gestellt. Sauerland selbst hat sich gegen einen Rücktritt vor der Aufarbeitung der Tragödie gewehrt. Schaller hat bislang keinen Kontakt zu den Opferfamilien aufgenommen. Zur Begründung sagte er der "Bild am Sonntag": "In der jetzigen Phase der Trauer möchte ich nicht stören."

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