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Dreimal so viele Änderungen wie Paragrafen : Lehrergesetz nimmt letzte Hürde nur knapp

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Die Lehrerausbildung in MV wird neu organisiert und den Bedürfnissen des Bundeslandes angepasst. Ende Juni ist die Abstimmung im Landtag geplant. Greifen sollen die Neuerungen vom Studienjahr 2012/13 an.

Schwerin | Die Lehrerausbildung in Mecklenburg-Vorpommern wird neu organisiert und den Bedürfnissen des Bundeslandes angepasst. Weil es keine Hauptschulen im Nordosten mehr gibt, sollen die Universitäten des Landes künftig Lehramtsstudien für Grundschulen, für Regionalschulen, für Gymnasien, für Sonderpädagogik und - wieder - für Berufsschulen anbieten. Das sieht das Lehrerbildungsgesetz vor, dessen Entwurf gestern nach heftiger Debatte und mehr als 60 Änderungen den Bildungsausschuss passierte. Ende Juni ist die Abstimmung im Landtag geplant.

Greifen sollen die Neuerungen vom Studienjahr 2012/13 an. Bis dahin sollen die Universitäten Zeit haben, ihre Angebote anzupassen, wie der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Mathias Brodkorb, sagte. Damit nicht Lehrerschwemme und Lehrermangel einander abwechseln, verpflichtet der Gesetzentwurf die Landesregierung, künftig alle zwei Jahre den Personalbedarf nach Schularten und Fächer für 15 Jahre in Voraus einzuschätzen.

Die Angebote der Hochschulen müssen diesen Bedarf abdecken. Die Universität Rostock soll mindestens 2500 Lehramtsstudienplätze vorhalten, die Universität Greifswald höchstens 1500. Weil zu viele Studenten Gymnasiallehrer werden wollen, sieht das Gesetz Obergrenzen beim Studienplatzangebot vor: 200 pro Jahr in Rostock, 150 in Greifswald.

Um Kinder mit Förderbedarf zunehmend in Regelschulen zu integriert, müssen angehende Lehrer künftig auch Sonderpädagogik büffeln. Alle Lehramtsstudenten sollen zudem spätestens ab zweitem Semester, Praktika an Schulen absolvieren. Wegen des höheren Praxis anteils im Studium wird das Referendariat von 24 auf 18 Monate verkürzt.

Während Brodkorb und sein CDU-Kollege Marc Reinhardt den Gesetzentwurf lobten, kam von der Opposition harsche Kritik. Die Koalition peitsche das Lehrerbildungsgesetz kurz vor Ende der Legislaturperiode "auf Gedeih und Verderb" durchs Parlament, erklärte der bildungspolitische Sprecher der Linksfraktion, Andreas Bluhm. "Allein die 61 Änderungsanträge zu dem 22 Paragraphen umfassenden Entwurf machen deutlich, dass wir es nicht nur inhaltlich, sondern auch handwerklich mit großem Murks zu tun haben." Linke und FDP stellten gemeinsam den Antrag, das Gesetz nicht zur zweiten Lesung in den Landtag zu bringen. SPD und CDU lehnten das ab.

Der bildungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Hans Kreher, erklärte: "Guten Gewissens dürfte sich niemand an der Abstimmung zum Entwurf der Regierungskoalition beteiligen, wenn er das Wohl der Lehrer und Schüler im Blick hätte." Aus seiner Sicht ist eine erneute Anhörung von Fachleuten dringend nötig, um zu entscheiden, ob die vielen Änderungsvorschläge richtig eingearbeitet worden seien.

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erstellt am 16.Jun.2011 | 06:40 Uhr

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