Werbekampagne : Lehrerfang mit frechen Sprüchen

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Land startet bundesweite Werbekampagne / Über 600 freie Stellen sollen besetzt werden

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04. März 2014, 07:00 Uhr

Mit frechen Sprüchen will das Bildungsministerium neue Lehrer anwerben. Bundesweit sollen in Studentenkneipen 500 000 Postkarten verteilt werden. Mit der Frage „Willst du 18 Kinder von mir?“ sollen sie hintersinnig auf die durchschnittlich günstige Klassenstärke an Mecklenburg-vorpommerns Schulen anspielen. Im Internet will Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) Lehrerstellen für „Geo, Physik und Sonnenbaden“ anbieten. In Zeitungen soll zwischen den Kontaktanzeigen eine „hübsche norddeutsche Schule“ nach einem Lehrer suchen, der auf „kleine Klassen und Meer“ steht.

Vor allem frisch ausgebildete Lehrer soll die Kampagne ansprechen. Brodkorb verspricht ihnen ein im Vergleich zu anderen Bundesländern überdurchschnittliches Gehalt, da Mecklenburg-Vorpommern Weihnachtsgeld für Beamte zahlt. Auch mit modernen Schulen, kleinen Klassen, günstigen Baugrundstücken und einem „erfrischend ursprünglichem Urlaubsland“ will er Pädagogen locken.

Auf der Internet-Seite www.lehrer-in-mv.de können Junglehrer derzeit aus 650 Stellen die passende aussuchen und sich direkt bewerben. „Das dauert nur zehn Minuten“, versprach Brodkorb. Allein die Regionalschulen können zum August 199 Lehrer einstellen. Die Grundschulen suchen neue Kräfte für 159 Stellen, bei den Förderschulen sind es 112.

Die Kampagne kostet in diesem Jahr eine Million Euro. Sie soll bis 2020 fortgesetzt werden. Brodkorb will nicht nur um Personal werben, sondern das Image des Lehrerberufs verbessern. Das sei in einem Jahr nicht zu schaffen. Die bislang eher schlechten Berufsbedingungen hätten sich bundesweit herumgesprochen.

Der Minister bestritt, dass an den Schulen der große Lehrermangel droht, wie es die Linkspartei jüngst behauptet hatte. Zwar sei er im vergangenen Herbst von einem Bedarf an 1000 zusätzlichen Lehrern ausgegangen. Ein Teil der Personal-Lücke ist geschlossen, weil viele Teilzeit-Lehrer wieder mehr arbeiten wollen. Für das nächste Schuljahr seien nur 85 neue Lehrer notwendig, um ausscheidende Kollegen zu ersetzen und den Schulbetrieb wie gewohnt aufrecht zu erhalten. Alle weiteren ausgeschriebenen Stellen werden gebraucht, um zum Beispiel Lehrer von organisatorischen Pflichten zu entlasten oder älteren Kolleginnen weniger Unterricht aufbürden zu können. Für diese „Qualitätsoffensive“ hat das Land 50 Millionen Euro eingeplant.

Simone Oldenburg, bei der Linkspartei im Landtag für Bildungspolitik zuständig, nannte die Werbekampagne oberflächlich. Sie hoffe stark, dass damit nicht nur Lehrer fürs Sonnenbaden gefunden werden. Ulrike Berger (Grüne) fand den Spruch „Willst Du 18 Kinder von mir?“ zwar witzig, aber auch falsch. Außer an den Förderschulen liege die durchschnittliche Klassenstärke deutlich über 18 Schülern.



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