Seiteneinsteiger : Lehrer ohne Lehrerausbildung?

Etwa 300 Seiteneinsteiger ohne Lehramtsprüfung sind in den letzten Jahren an den Schulen des Landes eingestellt worden.
Etwa 300 Seiteneinsteiger ohne Lehramtsprüfung sind in den letzten Jahren an den Schulen des Landes eingestellt worden.

Der Landtag soll in der kommenden Woche Bedingungen für Seiteneinsteiger an Schulen regeln. Sogar eine Verbeamtung soll möglich werden.

svz.de von
07. Dezember 2013, 00:33 Uhr

Ein Brief von Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) an die 12000 Lehrer des Landes sorgt in diesen Tagen für Diskussionen an Schulen. Wer in der Lehrerschaft Beamter werden will, könne bis Ende 2013 einen Antrag an das zuständige Schulamt richten, heißt es in dem Schreiben, das unserer Redaktion vorliegt. Der Bildungsminister verweist darauf, dass wegen des drohenden Lehrermangels der Beruf durch die Aussicht auf einen Beamtenstatus attraktiver werden soll. Wichtige Einschränkung: „Ich weiß, dass für viele Lehrkräfte eine Verbeamtung aufgrund der Altersgrenze von 40 Jahren leider nicht infrage kommen wird“, schreibt der Minister. Öl auf das Feuer emotional geführten Debatte. Denn nur 500 Lehrer sind jünger als 40 Jahre.

Hinzu kommt, dass neuerdings sogar Seiteneinsteiger ohne Lehramtsprüfung Beamte werden können, wenn sie unter 40 Jahre alt sind, ein vergleichbares Studium abgeschlossen und bereits fünf Jahre an einer Schule unterrichtet haben. „Das ist vernünftig und gerecht, weil es dem Gleichbehandlungsgrundsatz entspricht“, sagte gestern der Minister gegenüber unserer Redaktion.

Doch vor allem bei älteren Lehrern stößt das Vorhaben auf Widerspruch. Auch die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Schweriner Landtag, Simone Oldenburg, spricht von einer Ungleichbehandlung. „Die Lehrer, die in den vergangenen 23 Jahren die Arbeit geleistet und mit dem Lehrerpersonalkonzept auf Geld und Rentenansprüche verzichtet haben, gehen leer aus“. Sie fordert, dass ältere Lehrer ab dem 52. Lebensjahr als Ausgleich eine Abminderungsstunde pro Woche bekommen sollten.

Ohnehin sieht die Landtagsabgeordnete die Seiteneinsteiger-Praxis an den Schulen kritisch. „Es fehlt an berufsbegleitender Fortbildung“, sagte Frau Oldenburg gegenüber unserer Redaktion. Bildungsminister Brodkorb hält dem entgegen, dass der Landtag in der kommenden Woche das Lehrerbildunggesetzes ändern und dieses Manko beheben will. Erstmals würden Fortbildungskritierien für Seiteneinsteiger festgelegt. Eine Lehrbefähigung kann demnach ein Hochschulabsolvent auch ohne Lehramtsprüfung bekommen, wenn er sich fünf Jahre im Schuldienst bewährt hat und an Qualifizierungsmaßnahmen teilnahm. Möglich werden soll für junge Seiteneinsteiger laut Minister auch ein berufsbegleitendes Referendariat von zwei Jahren.

Bei Simone Oldenburg bleiben Zweifel. Es gebe inzwischen zu viele Seiteneinsteiger, sagte sie. „Schon jetzt fehlen die Kapazitäten , um um sie auszubilden. Ausbaden müssen dies die Schüler sowie die Seiteneinsteiger selbst, die allein gelassen werden.“

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