zur Navigation springen

Ökostrom: Auftragsvergabe an Konzern-Tochter sorgt für Unmut : Land verschmäht Anbieter aus MV

vom

MV als Motor der erneuerbaren Energien? Der Auftrag über die Lieferung von Ökostrom für alle landeseigenen Gebäude ging jetzt allerdings an einen Anbieter in Sachsen.

svz.de von
erstellt am 15.Jul.2011 | 09:35 Uhr

Schwerin/Greifswald/Demmin | Mecklenburg-Vorpommern als Motor der erneuerbaren Energien - so stellt es die Landesregierung gerne dar. Allerdings: Der Auftrag über die Lieferung von Ökostrom, mit dem vom kommenden Jahr an der Energiebedarf aller landeseigener Gebäude gedeckt werden soll, ging jetzt an einen Anbieter aus dem sächsischen Chemnitz, die envia Mitteldeutsche Energie AG. An der Ausschreibung des SPD-geführten Bauministeriums haben sich aber auch fünf Unternehmen aus dem Nordosten beteiligt, unter ihnen die Stadtwerke Greifswald. In der Hansestadt gibt es unter anderem mit der Uni zahlreiche landeseigene Gebäude. Kritik am Prozedere der Ausschreibung übt denn auch Aufsichtsratsvorsitzender und Oberbürgermeister Arthur König (CDU): "Ich würde mir wünschen, dass die Bedingungen so ausgerichtet werden, dass wir auch eine Chance haben". Etwas vorsichtiger, aber dennoch deutlich, äußerte sich ein Sprecher der Wemag in Schwerin: "Wir haben mitgeboten. Sicher hätten wir uns gefreut, wenn wir den Zuschlag erhalten hätten." Und Jörg-Uwe Kuberski, Sprecher der in Demmin ansässigen eon.edis.vertrieb: "Wir sind leider nicht zum Zuge gekommen. Aber das ist eine Entscheidung der Landesregierung."

Nur 14 Prozent

Unmut entzündet sich auch daran, dass envia eigentlich eine Tochter eines großen Stromkonzerns ist und einen Großteil seines Angebots nicht aus erneuerbaren Energien bestückt: "Nach eigenen Angaben betrug das Stromaufkommen der RWE-Tochter envia 20 540,7 Gigawattstunden, wobei über 80 Prozent über die RWE Vertrieb AG Dortmund, und die Vattenfall Europe Sales GmbH Hamburg bezogen werden. Nur zu 14 Prozent besteht die restliche Strommenge aus erneuerbaren Energien", monierte selbst Landtagsabgeordnete Beate Schlupp vom Koalitionspartner CDU. Sie hoffe, dass der Vertrag auch gewährleiste, dass die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien wirklich überprüft werden kann. Grundsätzlich aber sei das Bekenntnis des Landes zur Nutzung erneuerbarer Energien zu begrüßen. Mit dem neuen Vertrag übernehme das Land eine Vorbildfunktion. Scharf ins Gericht mit dem Ergebnis der Ausschreibung ging die oppositionelle Linksfraktion. "Es ist schon erstaunlich, dass der Landesregierung bei ihrem längst überfälligen Schritt, auf Ökostrom umzustellen, nichts anderes einfällt, als außerhalb des Landes bei einem der vier großen Energiemonopole Strom einzukaufen. Den Monopolen ihre Gewinne zu sichern, nachdem sie jahrelang die Umstellung auf erneuerbare Energien blockiert haben, ist nicht zu akzeptieren", sagte Fraktionschef Helmut Holter.

Europaweite Ausschreibung

Das Bauministerium seinerseits verweist darauf, dass der Zuschlag dem wirtschaftlichsten Angebot zu erteilen sei. "Dieses kam leider nicht aus MV", so ein Sprecher. Eine ökologische Produktion des Stroms werde übrigens durch ein entsprechendes Stromerzeugungszertifikat bestätigt. Nach Angaben des Sprechers haben sich an der europaweiten öffentlichen Ausschreibung insgesamt zwölf Firmen beteiligt. Der Auftrag umfasse die Lieferung von rund 120 Gigawattstunden pro Jahr. Und Bauminister Volker Schlotmann (SPD) hob hervor: "Mit rund 22,5 Millionen Euro blieben die Stromkosten pro Jahr in etwa konstant."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen