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Tierheime voll : Land lässt Katzen kastrieren

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Halter von Freigängertieren müssen ihre Katzen kastrieren lassen. Aufnahmestopp in Tierstationen

svz.de von
erstellt am 16.Jan.2015 | 08:00 Uhr

Fruchtbarkeitsaus für 30 000 freilaufende Katzen in MV: Bis zum Sommer will das Land eine neue Katzenverordnung vorlegen, die Haltern von Freigängertieren vorgibt, ihre Katzen kastrieren zu lassen. Die Tiere sollen mit einem Mikrochip gekennzeichnet und registriert werden. Gesamtkosten je Tier: etwa 100 Euro, die die Halter zu tragen haben. Das Papier werde derzeit mit allen Ministerien abgestimmt, teilte das Agrarministerium gestern mit. Danach sollen die Landkreise entsprechende Verordnungen erlassen können. Mit der Verordnung solle eine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht in Gebieten, in denen Tiere auf Grund ihrer hohen Anzahl erhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden erfahren, erzwungen werden, so ein Ministeriumssprecher.

Mit dem Schritt will das Land der wachsenden Katzenvermehrung Herr werden. Die neue Verordnung sei zwar ein Anfang, aber reiche nicht aus, erklärte Kerstin Lenz, Landeschefin des Tierschutzbundes, gestern. So verweigere das Land verpflichtende Regeln und gebe den Landkreisen nur eine Kann-Bestimmung vor. Jahr für Jahr sei die Zahl der Vierbeiner in MV derart gestiegen, dass die Tierheime eine Unterbringung nicht mehr gewährleisten könnten. Alle Heime hätten einen Aufnahmestopp verhängt, sagte Lenz: „Es wird jedes Jahr schlimmer.“ Landesweit seien in überfüllten Heimen 2800 Katzen untergebracht. Unkastrierte Katzen werden meist zweimal im Jahr trächtig und bringen mindestens drei Junge zur Welt.

Während für die Maikatzen oftmals noch neue Besitzer gefunden werden könnten, sei die Vermittlung der Herbstkatzen nicht mehr zu schaffen. Auch würden bei den Tieren immer öfter Krankheiten ausbrechen, sagte Lenz. So sei 2014 in einigen Tierheimen die Katzenseuche ausgebrochen. Die Kosten für Behandlung und Unterbringung seien nicht mehr tragbar, so Lenz. Allein der Tierschutzbund habe 2014 mehr als 60 000 Euro für Kastrationen ausgegeben.

Ursprünglich wollte Agrarminister Till Backhaus (SPD) bis Ende 2014 eine neue Verordnung vorlegen. Der hohe Arbeitsaufwand der zuständigen Veterinärverwaltung durch den Ausbruch der Vogelgrippe sowie die Tierschutz- und Futtermittelskandale hatte das Land in Zeitverzug gebracht. Bislang hat nur Rostock Haltern von freilaufenden Katzen die Kastration vorgegeben. Schwerin, Neubrandenburg und Waren beteiligten sich an den Kastrationskosten. Indes haben Lenz zufolge die Landkreise Mecklenburgische Seenplatte und Vorpommern-Greifswald signalisiert, entsprechende Verordnungen zu erlassen.

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