"Kümmritz in die Produktion"

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08. November 2009, 06:38 Uhr

Das hat sich doch die PDS-Fraktion, Verzeihung Links-Fraktion, im Landtag schön ausgedacht. Pünktlich zu den Bundestagswahlen und den anschließenden Merkel-Festspielen in Berlin wollte auch die Opposition in Schwerin nicht abseits stehen und hat einen renommierten Künstler aus dem Land um eine politische Ausstellung gebeten. José García y Más aus Bansin hat sich jedoch nicht nur mit südamerikanischen Arbeiterführern und dem katholischen Papst ins Zeug gelegt, sondern auch die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf die Flure der Links-Fraktion gezaubert. Und das mindestens in sieben Variationen! Das schlägt Honecker. Merkel als Denkmal, Merkel mit Sprechblase, Merkel auf Staatsbesuch. Merkel hier, Merkel da... Wahrscheinlich, damit die Genossen jeden Tag merke(l)n, wer in Bundesdeutschland das Sagen hat. Tja, mit der künstlerischen Freiheit ist das so eine Sache. Man bestellt eine rote Ausstellung und bekommt den schwarzen Kanal.

Apropos Kunst: Mit einem außergewöhnlichen Theaterabend wollte der Generalintendant des Mecklenburgischen Staatstheaters, Joachim Kümmritz, am Sonntag ein Zeichen in der Wende-Debatte setzen. Der ehemalige Schauspielchef Christoph Schroth kam extra aus Cottbus angereist. Holk Freytag, langjähriger Generalintendant in Wuppertal und Intendant am Staatsschauspiel Dresden, war auch dabei. Das Konzertfoyer war gerammelt voll. Ein schöner Abend - hätte es werden können. Aber am Sonntag standen gut 30 Leute draußen vor dem Theater in der sozialen Kälte und warteten auf Einlass. Quasi auf dem 89er-"Platz der guten Hoffnung" ohne Hoffnung, berichtete der Carlower Pastor Bernhard Kähler. "Wir sind das Volk. Wir wollen rein!" skandierte die Menge. Ja, früher wollten sie raus, heute rein. Das gehörte dann doch nicht zum Programm. Und Generalintendant Kümmritz ließ sich nicht erweichen. Schließlich schallte es "Kümmritz in die Produktion" durch Schwerin. Was macht die Kunst, Herr Kümmritz, erhält doch so eine ganz andere Bedeutung. Gesehen habe ich den Theaterchef seitdem nicht mehr...

Gut gewollt ist eben nicht immer gut gekonnt. Ein Lied davon kann ja nicht nur der ehemalige Wirtschaftsminister und MV-tut-gut-Erfinder Otto Ebnet (SPD) singen, sondern auch der MV-tut-gut-Bürochef Bernhard Gläss. Seit 2001 versuchen beide, das Landesmotto "MV tut gut" unter die Leute zu tun. 1,8 Millionen Euro haben sie dafür jährlich im Budget. Überall ist der MV-tut-gut-Button draufgepappt. Fast überall. Besonders in der internationalen Werbung ist das ja wichtig. Und das Resultat? Da finde ich doch mitten in Afrika in einem kleinen Lebensmittelladen vier verschiedene Fischsorten aus Meckpomm. Alle Achtung. Fisch-Büchsen mit schönster deutscher Beschriftung: "Piratenschmaus", "Fischerfrühstück" - "Makrelenfilets geräuchert". Aber kein Wort über MeckPomm. Nur "Rügenfisch" steht da drauf. Na wenigstens wissen die, wie man es macht. Schönes Wochenende...

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