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Kampf um Landesvorsitz : Krisengeschüttelte FDP sortiert sich neu

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Der früherer Fraktionsvorsitzende der FDP, Michael Roolf, wird bei einem Sonderparteitag der Nordost-Liberalen am 26. November als Landesvorsitzender kandidieren und damit wohl gegen Christian Ahrendt antreten.

svz.de von
erstellt am 05.Nov.2011 | 01:56 Uhr

"Wer sich zu früh bewegt, verliert." Der früherer Fraktionsvorsitzende der FDP im Landtag, Michael Roolf, kennt eigenem Bekunden nach die Redewendung gut. Und dann bewegt er sich doch - gegenüber unserer Redaktion deutete er gestern an, bei einem Sonderparteitag der Nordost-Liberalen am 26. November als Landesvorsitzender zu kandidieren und damit wohl gegen den bisherigen Spitzenmann Christian Ahrendt anzutreten. "Ich bin ein bekennender Lobbyist für unternehmerbezogene Positionen. Wenn die FDP eine solche Persönlichkeit als Alternative bietet, bin ich der Letzte, der im Weg steht", sagte Roolf.

Auch Gino Leonhard, Spitzenkandidat bei den vergangenen und für die Liberalen mit 2,7 Prozent völlig vergeigten Landtagswahlen, scheint nicht abgeneigt, den Vorsitz zu übernehmen: "Unter gewissen Voraussetzungen kann ich mir vorstellen, meinen Hut in den Ring zu werfen." Die "gewissen" Voraussetzungen: "Es kommt darauf an, wer im Landesvorstand sitzt." Denn beim Parteitag soll nicht nur der Landesvorsitzende neu gekürt werden, sondern wohl auch der komplette Vorstand, der dem Vernehmen nach kurz vorher zurücktreten wird.

"Komplett in der Existenz bedroht"

Zurückgetreten ist kurz nach der Wahl auch Landeschef Ahrendt, nur kurze Zeit später kündigte er an, wieder antreten zu wollen. Ahrendt ist auch Parlamentarischer Geschäftsführer der blau-gelben Bundestagsfraktion. Beobachter schreiben ihm zu, entscheidend mit dazu beigetragen zu haben, dass Roolf als Spitzenkandidat durchfiel. Das scheint dieser auch nicht vergessen zu haben: "Es ist vernünftig, dass die, die Verantwortung für die Niederlage getragen haben, den Weg frei machen. Das ist die eine Möglichkeit." Und fügt - wohl sicherheitshalber - noch hinzu: "Die andere ist, dass diejenigen sagen, gerade deshalb machen wir weiter." Die komplette FDP sei in der Existenz bedroht, meinte Roolf. Jetzt komme es darauf an, wieder Glaubwürdigkeit zu gewinnen.

Dass sich auch der Landesverband in der Existenzkrise befindet, zeigen die Teilnehmerzahlen der in den vergangenen Tagen veranstalteten Regionalkonferenzen. Sowohl in Greifswald als auch in Güstrow erschienen nicht mehr als 30 Mitglieder, bestätigte die amtierende Vorsitzende Ilona Rettig. Insgesamt habe die FDP im Land 953 Mitglieder. "Wenn sie das Angebot nicht annehmen - was soll ich machen?", so Rettig. Es sei nicht zu verstehen, warum die Basis sich nicht einbringen wolle: "Nur vom Landesvorstand zu verlangen, dass er sich eine Birne machen soll, kann es auch nicht sein." Den vorangegangenen Regionalkonferenzen folgt nächste Woche noch eine in Schwerin, ehe der Sonderparteitag am 26. November startet. Dort könnten sogar noch mehr Kandidaten für den Vorsitz antreten. "Von ein paar anderen habe ich das schon gehört", sagte Rettig.

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