Krawalle auf dem Gänsemarkt

Schwere Ausschreitungen bei den Bützower Gänsemarkttagen: 50 stark alkoholisierte, meist jugendliche Täter randalierten in der Nacht zu gestern auf dem Markt. 70 Polizeibeamte waren im Einsatz. Sechs Jugendliche, die der rechten Szene zugeordnet werden, wurden festgenommen. Staatsschutz, Kripo und Staatsanwaltschaft ermitteln.

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31. August 2009, 08:18 Uhr

Bützow | Gestern gegen 2.45 Uhr auf dem Markt in Bützow. Nach Ende des "Gänseballs" versammelten sich rund 50 Jugendliche vor dem Rathaus und skandierten rechtsextreme Parolen. Viele waren stark angetrunken. Ihnen standen 70 Beamte gegenüber. Mathias Knöchelmann, Chef der Polizeiinspektion: "Es war offensichtlich, dass sie die Konfrontation mit der Polizei suchten." Die Randalierer bewaffneten sich mit Bänken. Teile seien in Richtung der Polizisten geworfen worden, so Volker Werner, Sprecher der Polizeidirektion Rostock. Ein Störer, der nicht gefasst wurde, brach auf dem Markt eine verchromte Zierstange ab. Er ging auf einen Polizisten los. Knöchelmann: "Der wehrte sich mit Pfefferspray und blieb unverletzt." Der Polizei sei es gelungen, die sechs 18- bis 32-jährigen Rädelsführer festzunehmen und die Aktion im Keim zu ersticken.

Staatsschutz ermitteltDie Festgenommenen stammen aus Bützow und Umgebung, gelten als gewalttätig und rechtsmotiviert. Verletzte und Schäden gab es nicht. Kripo, Staatsanwaltschaft und Staatsschutz ermitteln wegen des Verdachts des schweren Landfriedensbruchs.

Die Polizei war auf eine Auseindersetzung vorbereitet und hatte seit Freitag zusätzliche Beamte zusammengezogen. Knöchelmann: "Dieses Konzept fahren wir seit 2007." Damals hatten bei den Gänsemarkttagen 40 rechte Chaoten Ausländer attackiert, Polizisten verletzt und Verkaufsstände verwüstet. Die Polizei reagierte damals falsch. Der Bützower Polizeichef wurde versetzt. Ein Bündnis für Demokratie und Toleranz entstand. Das rechte Problem blieb, obwohl Bützow für seine Aktivitäten als Ort der Vielfalt ausgezeichnet wurde. Kathrin Oxen, Vorsitzende des Bündnisses für Demokratie und Toleranz: "Wir haben zwar erreicht, dass dieses Thema diskutiert wird und es vielen nicht egal ist. Aber wir stehen noch am Anfang."

Auch in Rostock-Schmarl wurden in der Nacht zum Sonntag Polizisten angegriffen. Ein Funkstreifenwagen wurde schwer beschädigt. Anwohner hatten die Polizei alarmiert, weil etwa 30 Jugendliche Mülltonnen in Brand gesetzt und parkende Autos beschädigt hatten. Feuerwehrleute wurden von zumeist Vermummten attackiert. Ein Polizist wurde von einer Gruppe eingekreist. Diese ließ selbst dann noch nicht von dem Beamten ab, als dieser einen Warnschuss abgab. Erst nachdem er den direkten Einsatz der Waffe angedroht hatte, flüchteten die Unbekannten.

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