Gesundheitswesen : Krank am Krankenbett

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Im Gesundheits- und Pflegebereich sind Ausfälle durch Arbeitsunfähigkeit besonders hoch / Betriebe müssen gegensteuern

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20. März 2014, 07:34 Uhr

Arbeit in einem Gesundheitsberuf macht krank – mehr als in anderen Branchen. Das belegen Zahlen des Wissenschaftlichen Instituts der Ortskrankenkassen (WIdO), die Markus Meyer am Dienstagabend auf dem 7. AOK-Forum Live in Schwerin vorstellte. Dabei ist weniger die hohe Keimbelastung, der medizinisches und pflegerisches Personal ausgesetzt ist, ein Grund für besonders viele Krankschreibungen – obgleich Atemwegserkrankungen in diesen Berufsgruppen etwas häufiger auftreten als in anderen. Vor allem Überlastung, unregelmäßige Dienste, fehlende Anerkennung und körperliche Anstrengungen machen Pflegende krank. Besonders hoch ist Meyer zufolge der Krankenstand in Pflege- und Altenheimen, dort Beschäftigte sind zudem deutlich länger krank als die anderer Branchen.

46,2 Prozent aller im Gesundheits- und Pflegebereich arbeitenden AOK-Versicherten klagen über Rückenschmerzen, 45,6 Prozent über Verspannungen und 39,8 Prozent über Mattigkeit und Erschöpfung. Mecklenburg-Vorpommern liegt Meyer zufolge um zwei Prozent über dem Bundesdurchschnitt der Krankenstände in der Gesundheitsbranche von 6,1 Prozent. Das ist auch darauf zurückzuführen, dass der Anteil der Pflegebedürftigen an der Gesamtbevölkerung hier im Land überdurchschnittlich stark anstieg und weiter ansteigt. Schon jetzt ist knapp ein Viertel (24,3 Prozent) der über 65-Jährigen im Land auf Pflege angewiesen. Im Jahr 2030 wird es bereits knapp ein Drittel (31,7 Prozent) sein. Während das WIdO bundesweit bis zum Jahr 2030 von einer Verdopplung des Pflegebedarfs ausgeht, werden in MV sogar 63,2 Prozent Prozent mehr Pflegebedürftige erwartet. Parallel dazu wird die Zahl der Erwerbstätigen im Land um 33,2 Prozent sinken (Bundesdurchschnitt: minus 16 Prozent). Der Fachkräftemangel wird sich also noch weiter verschärfen. Vor diesem Hintergrund kommt der betrieblichen Gesundheitsförderung eine wachsende Bedeutung zu, konstatiert Meyer.

Wie diese aussehen kann, zeigt der ambulante Pflegedienst von Dagmar-Dolores Manke in Schwerin. Niedriger als die krankheitsbedingten Ausfallzeiten sind dort nur die Überstunden, versichert Pflegedienstleiterin Gabriele Brosch, „nämlich Null“. Das sei aber nicht immer so gewesen. Noch 2008 hätten sich bei 20 Mitarbeitern über 2000 Überstunden angesammelt. Dann aber wurde die Arbeit im Unternehmen neu strukturiert. Die vielleicht wichtigste Neuerung waren Jahresarbeitspläne. „Unsere Mitarbeiter wissen schon im Januar, wann sie im Dezember abends oder an Wochenenden bzw. Feiertagen Dienst haben“, erklärt Gabriele Brosch. „Das heißt, sie können langfristig ihre Freizeit und damit auch ihre Regeneration planen.“ Über Springer wird abgesichert, dass bei unerwarteten Ausfällen niemand aus der verdienten Freizeit zurückbeordert werden muss. Zudem führt jeder der 17 Mitarbeiter ein Arbeitszeitkonto.

Doch damit nicht genug: Der Pflegedienst hat seine Tourenpläne umgestellt, um die Belastung geringer zu halten. „Und für Kolleginnen, die sich beim Autofahren unwohl fühlen, haben wir zwei Fahrradtouren in der Stadt zusammengestellt“, erklärt die Pflegedienstleiterin. All das habe dazu geführt, dass der Stamm der Mitarbeiterinnen schon seit 18 Jahren im Unternehmen beschäftigt ist. Branchendurchschnitt sind acht Jahre.

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