Zweiter Bildungsweg gefördert : Kostenlos zum späten Schulabschluss

 

 

Land finanziert nun auch Mittlere Reife an Volkshochschulen – doch nicht ausreichend

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27. August 2015, 08:00 Uhr

Finanzspritze für den zweiten Bildungsweg: Bereits seit dem vergangenen Schuljahr ermöglicht das Land den kostenlosen Besuch von Volkshochschul-Kursen zur Alphabetisierung und zur Erlangung der Berufsreife. Jetzt wird auch ein gebührenfreies Nachholen der Mittleren Reife finanziert. Das Land stellt im Schuljahr 2015/16 für alle drei Bildungsgänge zusammen 760 000 Euro zur Verfügung, 220 000 Euro mehr als im Vorjahr. „Mit der Gebührenfreiheit schaffen wir ein Angebot, dass mehr Menschen ihren Schulabschluss erreichen“, hatte Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) bei der Einführung betont.

Doch daraus wird nichts, sagt jetzt die Direktorin des Volkshochschulverbandes (VHS-Verband) im Land, Ines Schmidt. Wolle man mehr Menschen ausbilden, müsste auch mehr Geld ausgegeben werden. „Das durch die Landesförderung vorgegebene Stundenkontingent – 760 000 Euro entsprechen 38 000 Unterrichtseinheiten – orientiert sich aber am Stand des Schuljahres 2012/13“, so Ines Schmidt. Ausgerechnet in jenem Jahr sei die Teilnehmerzahl einmal niedriger als sonst gewesen. „Und wenn diese Kurse jetzt kostenlos angeboten werden, dann ist damit zu rechnen, dass der Zulauf noch einmal größer wird.“

Die Volkshochschulen würden sich in einer besonderen sozialen Verantwortung sehen – „jeder sollte die Möglichkeit einer weiten Chance haben, unabhängig von seinen finanziellen Möglichkeiten“, so die VHS-Verbandsdirektorin. Es wäre ein fatales Signal, wenn man jetzt Bildungswilligen Kurse absagen oder sie auf eine Warteliste setzen müsste. Im Landkreis Vorpommern-Greifswald habe die Volkshochschule bereits die Zahl der Grundbildungskurse reduziert, auch ein Berufsreifekurs hätte bereits gestrichen werden müssen. Das sei vor dem Hintergrund, dass die Bundesregierung eine Dekade der Alphabetisierung ausgerufen habe, alarmierend, so Schmidt.

Bildungsminister Brodkorb versprach: „Wir werden uns die Zahlen des Volkshochschulverbandes ansehen.“ Da die Personalkosten komplett vom Land übernommen würden, müssten bei den VHS Mittel frei werden, die wiederum in zusätzliche Stunden gesteckt werden könnten. Der Minister verwies darauf, dass für derartige Kurse ein Mindestlohn von 20 Euro je Stunde eingeführt wurde. Das sei endlich eine Anerkennung dieser verantwortungsvollen Aufgabe, freut sich auch Ines Schmidt.

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