Kommentar : Kollektives Versagen

Ordnung muss sein bei der Deckenverteilung.
Ordnung muss sein bei der Deckenverteilung.

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11. September 2015, 08:00 Uhr

Seit Monaten schauen Politiker in Deutschland auf Ungarn, auf die Küste Italiens, auf die griechische Insel Kos, auf die Situation am Eurotunnel in Calais. Seit Monaten fordern die Grünen im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern und auch die Linkspartei einen Runden Tisch zur Flüchtlingssituation in MV. Seit Monaten fordert die Opposition, in die Koordinierung der Hilfe eingebunden zu werden. Seit Monaten diskutieren Landespolitiker über die eskalierende Situation in den großen Metropolen Deutschlands, und Innenminister Lorenz Caffier nahm in zig Interviews dazu Stellung, dass er jedmögliche Anstrengung unternimmt und deshalb auf die Situation vorbereitet ist. Sozialministerin Birgit Hesse besuchte die Aufnahmeeinrichtung in Horst, Ministerpräsident Erwin Sellering war auch da.

Und dann? Dann passiert das Gleiche wie in Calais, wie in Budapest, wie in Düsseldorf – im entscheidenden Augenblick war man auf den Ansturm nicht vorbereitet. Die Dimension der Eskalation ist vielleicht nicht mit den genannten Beispielen vergleichbar, aber auch das kollektive Versagen im Kleinen bleibt ein Versagen. Auch wenn der Innenminister im letzten Augenblick versuchte, die Lage zu retten, müssen sich das zuständige Landesamt für Innere Verwaltung und der Innenstaatssekretär als direkte Verantwortliche aber auch Minister Caffier als politisch Verantwortlicher schon fragen lassen, warum man die Lage in Horst über Tage ignorierte. Es geht um Menschen. Spendenwillige mit Decken und Sachspenden berichten, dass sie sogar abgewiesen wurden.

Das ist ein Skandal.

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