Können Pinguine pupsen?

Feuerland, den Startpunkt der Reise, haben die Kita-Kinder schon entdeckt. Bücherpiraten
Feuerland, den Startpunkt der Reise, haben die Kita-Kinder schon entdeckt. Bücherpiraten

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28. September 2010, 09:41 Uhr

Wismar | Eine Flaschenpost kommt in einer Kindertagesstätte an und kündigt zwei Wochen Aufregung an. Denn sie stammt von Käptn Holmsen, der Hilfe von den Kindern braucht. "Mein Schiff muss in die Werft und ich muss alle meine Sachen von Bord holen. Leider kann ich die Sachen nicht mitnehmen. Ich muss meine Seekiste im Kindergarten unterstellen. Bitte passt gut darauf auf", schreibt Käptn Holmsen in seinem Brief. Und tatsächlich bringt einige Tage später wie angekündigt jemand die Sachen vorbei.

So beginnt die interaktive Lesereise, auf die mehr als 1500 Kita-Kinder in Mecklenburg-Vorpommern in den nächsten zwei Jahren gehen werden. Der Auftakt des Leseförderprojekts "Geschichten-Sucher" von der Nordmetall-Stiftung und den Bücherpiraten e.V. im Land fand gestern im Schloss Hasenwinkel (Nordwestmecklenburg) statt. Bis die erste Flaschenpost verschickt wird, dauert es aber noch einige Wochen. "Jetzt werden erst einmal die Erzieher in Seminaren auf das Projekt vorbereitet", sagt der pädagogische Leiter der Bücherpiraten, Martin Gries. So sollen sie Möglichkeiten kennenlernen, um Kindern den Zugang zur Welt der Bücher zu eröffnen. Denn darum geht es: "Kinder zum zum selbstständigen Lernen anzuregen und Lesen fest in ihrem Alltag zu etablieren", erklärt Peter Golinski, Bildungskoordinator der Nordmetall-Stiftung. Und deshalb gehe es bei dem Projekt nicht nur um reines Vorlesen, sondern darum, durch reale Ereignisse Leseanlässe zu schaffen.

Wenn also die ersten Kita-Kinder Ende Oktober erst die Flaschenpost und dann für zwei Wochen die Seekiste und die Bücher erhalten, seien sie mitten in der Geschichte rund um den Käptn. Schon allein die Seekiste enthalte viele spannende original maritime Dinge, wie einen Kompass, ein Flaggen-Alphabet und natürlich das Tagebuch von Käptn Holmsen. "Anhand seiner Aufzeichnungen erleben die Kinder seine Reise um die halbe Welt mit. Und dabei haben sie viele Fragen: Warum Feuerland Feuerland heißt, wenn es dort doch kalt ist? Leuchten Mondfische nachts und können Pinguine pupsen?" berichtet Martin Gries. "Die Antwort finden sie gemeinsam mit ihren Erziehern in den mitgelieferten Büchern oder sie fragen einen Experten, der in dem Adressbuch des Käptn steht. Am Globus verfolgen die Kinder den Weg der Reise, mit Bildern malen sie auf, was sie gehört haben oder basteln etwas dazu."

So haben diese Reise schon rund 3000 Kinder in Schleswig-Holstein erlebt. Dort gibt es das Projekt "Geschichten-Sucher" bereits seit drei Jahren und war sehr erfolgreich: "Auch viele Monate nach Ende des Projektes greifen die beteiligten Kinder deutlich häufiger zum Buch als vorher", sagt der Pädagoge. "Deshalb weiten wir das Projekt jetzt auch auf Mecklenburg-Vorpommern aus. Die Nordmetall-Stiftung stellt dafür in den nächsten zwei Jahren über 120 000 Euro bereit."

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