Besorgniserregender Befund : Kliniken droht Pflegenotstand

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Schon jetzt fehlen 1700 Fachkräfte – und ein Bundesgesetz kürzt Budgets weiter

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09. September 2015, 06:30 Uhr

Der Befund ist besorgniserregend: 59 Prozent der Pflegekräfte in Krankenhäusern Mecklenburg-Vorpommerns haben in einer Befragung der Dienstleistungsgewerkschaft verdi erklärt, dass sie innerhalb der letzten drei Wochen im Dienst gefährliche Situationen erlebt hätten, weil Personal fehlte. Ein weiteres Umfrageergebnis: In vielen Kliniken werden in einer Nachtschicht zwischen 20 und 30 Patienten von nur einer Schwester betreut. „Vorgeschrieben sind zwei“, betonte Steffen Kühhirt, Landesfachbereichsleiter Gesundheit und Soziales bei verdi, gestern in Schwerin. Das Problem sei: An den 37 Krankenhäusern im Land fehlten aktuell 1700 Pflegekräfte. Das sei fehlenden finanziellen Mitteln geschuldet, aber auch einer starken Abwanderung von Pflegekräften, insbesondere nach Südwestdeutschland, wo sie bei besseren Arbeitsbedingungen mit deutlich höheren Einkommen rechnen könnten.

Dass die Versorgungslücke noch größer werden könnte, befürchtet neben verdi auch die Krankenhausgesellschaft des Landes (KGMV): „Das Krankenhausstrukturgesetz, das Bundesgesundheitsminister Gröhe plant, bedeutet für Mecklenburg-Vorpommern durch den Wegfall des Versorgungszuschlags ein Minus von 12 Millionen Euro“, so KGMV-Geschäftsführer Wolfgang Gagzow. Zwar sollen im Gegenzug über ein Pflegestellen-Förderprogramm 4,4 Millionen Euro ins Land fließen. „Aber unter dem Strich bleibt für die Krankenhäuser ein Minus stehen“, so Gagzow, der zudem für fragwürdig hält, dass die Pflegestellen-Förderung an die Zahlung eines zehnprozentigen Eigenanteils der Häuser gekoppelt werden soll. „Das ist eine Rechnung, die unserer Meinung nach nicht aufgehen kann“, betont der KGMV-Geschäftsführer. Schon jetzt wären in der gleichen Zeit, in der die Krankenhausbudgets um 50 Prozent gestiegen seien, die nominalen Personalkosten um 100 Prozent gestiegen. Den Kliniken blieben theoretisch nur zwei Möglichkeiten, darauf zu reagieren: Entweder sie zahlen keine Tariflöhne mehr, oder sie kürzen beim Personal, um die verbliebenen Mitarbeiter weiter angemessen vergüten zu können. Darunter aber würden Patienten und Pflegende gleichermaßen leiden, von Gröhes Anspruch, mehr Qualität in den Krankenhäusern zu erreichen, bleibe nichts mehr übrig. Deshalb müsse die Bundespolitik umdenken und das Gesetz „völlig neu schreiben“, forderten Kühhirt und Gagzow unisono. Anderenfalls sei ein Krankenhaussterben – anfangs der kleinen und mittleren Häuser auf dem Land, später auch größerer – unausweichlich.

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