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Greifswald : Kleiner Eiffelturm droht Verfall

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Greifswald bangt um technisches Denkmal: Gewächshäuser marode – Glasbauten werden geschlossen

Die historischen Gewächshäuser der Uni Greifswald sind ein technisches Denkmal aus der Zeit der Eisenkonstruktionen – jetzt droht der Verfall. Statt einer notwendigen rund 2,5 Millionen Euro teuren Sanierung der historischen Anlage hat die Universität beschlossen, einen preiswerteren Zweckbau zu errichten. Am 6. Juni soll die Anlage aus dem 19. Jahrhundert wegen des maroden Bauzustandes für Studenten und Besucher geschlossen werden. Es werde geprüft, ob Sicherungsmaßnahmen möglich sind, die zumindest den Mitarbeitern des Botanischen Gartens den Zugang ermöglichen, sagte ein Uni-Sprecher.

Der Botanikprofessor Martin Schnittler kann die Finanzprobleme der Uni nachvollziehen, will aber für den Erhalt der historischen Anlage kämpfen: „Die vom Land bereitgestellten Mittel für den Hochschulbau sind so knapp bemessen, dass nur das Dringendste gebaut werden kann, um die Lehre abzusichern.“ Er und der Freundeskreis des Botanischen Gartens wollen über Stiftungen Geld für die Anlage einwerben. Doch das benötige Zeit. Nun hofft er auf eine Galgenfrist und Geld für eine Notsicherung.

Die Anlage – wie der Pariser Eiffelturm eine genietete Eisenkonstruktion – gilt als historisch wertvoll. Errichtet in den Jahren 1884 bis 1886 ist sie älter als der 324 Meter hohe Eisenfachwerkturm in Frankreichs Hauptstadt. „In Mecklenburg-Vorpommern ist die Greifswalder Gewächshausanlage die einzige erhaltene ihrer Art“, sagt Schnittler. Auch deutschlandweit gebe es nur wenige in Originalsubstanz erhaltene Großgewächshäuser, so zum Beispiel in Pillnitz (1859). Seit rund 130 Jahren sind die Eisenträger und Nieten hohen Belastungen ausgesetzt. In den tropischen Gewächshäusern herrsche eine Luftfeuchtigkeit von 90 Prozent, der Rost habe der tragenden Konstruktion zugesetzt, sagt der Botanikprofessor. Angehende Biologen konnten seit Ende des 19. Jahrhundert im Gewächshaus Pflanzen studieren, die normalerweise in den Weiten Afrikas oder Asiens beheimatet sind. Schnittler befürchtet, sich mit der Schließung der Anlage von den großen und alten Pflanzen im Palmenhaus trennen zu müssen.

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