"Kill Mission" erfüllt

Recht komfortabel lebte Osama bin Laden auf dem Anwesen in Abbottabad.dpa
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Recht komfortabel lebte Osama bin Laden auf dem Anwesen in Abbottabad.dpa

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02. Mai 2011, 07:22 Uhr

Abbottabad | Die Kugel, abgefeuert von einem Mitglied eines "Navy Seal"-Spezialkommandos, traf Osama bin Laden in den Kopf. Nur Minuten später befand sich die Leiche des bis dahin meistgesuchten Mannes auf der Welt an Bord eines Helikopters in Richtung Afghanistan. Es war das Ende einer wochenlang akribisch geplanten 40-minütigen Blitzaktion in der pakistanischen Stadt Abbottabad, deren Verlauf live per Video in eine CIA-Kommandozentrale in Virgina übertragen wurde und die nur ein einziges Ziel hatte: Den El-Kaida-Chef, der sich so lange dem Zugriff seiner Häscher entzogen hatte, zu töten. Eine Festnahme sei bei der "Kill Mission", so ein US-Regierungsbeamter gestern, ausdrücklich nicht vorgesehen gewesen. Als die Todesnachricht eintraf, brach in dem Konferenzsaal Jubel aus.

FBI meldet "Verstorben"

"Verstorben" meldete gestern dann ein Schriftzug auf der FBI-Fahndungsseite über dem Fotos des bärtigen Hünen, der am Ende durch geduldige Detektivarbeit des Geheimdienstes und eine kühne Kommandoaktion zur Strecke gebracht wurde, über deren Zeitpunkt die pakistanische Regierung trotz vorausgegangener Kooperation bei der Überwachung des Hauses bewusst vorab nicht informiert worden war: Man wollte beim Finale keinen Verrat riskieren.

Enge Mitarbeiter von US-Präsident Barack Obama schilderten gestern Details der riskanten und nur wenigen Personen in den USA bekannten Mission und ihrer Vorgeschichte. Vor vier Jahren sei bei Verhören von in Guantánamo einsitzenden Häftlingen erstmals der Deckname eines Boten genannt worden, durch den der Flüchtige die Kommunikation nach außen betrieben habe. Der Vertraute und dessen Bruder lebten offenbar mit Osama bin Laden. Doch erst vor zwei Jahren ließ sich die Region eingrenzen, in der die Männer vermutet wurden, und der wirkliche Name des Boten ermitteln. "Heiß" wurde die Spur im August 2010, als US-Geheimdienstlern auf ein Anwesen rund 50 Kilometer nördlich von Islamabad aufmerksam wurden.

Zum einen seien das ungewöhnlich große und vor fünf Jahren errichtete dreistöckige Anwesen in einer vorwiegend von Militärpersonal bewohnten Siedlung mit sechs Meter hohen Schutzmauern umgeben, auf denen Stacheldrahtreihen sitzen. Zwei Sicherheitsschleusen stellten den einzigen Zugang dar. Zum anderen habe man bei der Observation bemerkt, dass die offiziell als einkommenslos geltenden Bewohner der auf eine Million Dollar geschätzten Villa ihren Müll regelmäßig verbrannten und es keinerlei Handy- oder Internetkommunikation aus dem Gebäude gab. Dies führte zu dem Schluss, dass sich hier ein "hochwertiges" Zielobjekt aufhalten müsse - die Planungen für den Zugriff begannen.

Einsatz statt Hochzeit

Seit 14. März gab es fünf Sitzungen des Nationalen Sicherheitsrats, die Obama persönlich leitete . Den endgültigen Einsatzbefehl gab der US-Präsident am Freitag, als die Welt auf die Hochzeitsfeiern in London blickte.

Zwei Hubschrauber flogen von Afghanistan ins Zielgebiet und setzten rund 25 Marinesoldaten des "Teams Six" über dem Anwesen ab. Dabei sei es, so Regierungsvertreter, zu einem Feuergefecht gekommen. "Osama bin Laden starb, als er Widerstand leistete." Auch drei weitere Männer - der Bote, sein Bruder und ein Sohn bin Ladens - fanden den Tod. Eine Frau starb, weil sie als "menschliches Schutzschild" genommen worden sei. Aufnahmen zeigten gestern Blut auf dem Flur des Gebäudes, zerschossene Computer, zerwühlte Betten und komplettes Chaos in einem Zimmer.

Eine erste Identifizierung fand in Afghanistan statt, Gentests bestätigten später: Mit 99,99 prozentiger Wahrscheinlichkeit handelt es sich um den Gesuchten. Gestern wurde zudem erwogen, Fotos des Toten freizugeben. Bin Laden sei klar erkennbar, heißt es. Seine sterblichen Überreste seien hingegen bereits, so die US-Regierung, an einem geheim gehaltenen Ort auf See bestattet worden. Die schnelle Beisetzung entspreche schließlich islamischer Tradition.

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