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Keine Männerfreundschaft

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KriminalitätDas offizielle Ende des Rockerkrieges zwischen "Bandidos" und "Hells Angels" hat keine Bedeutung für die Szene in Mecklenburg-Vorpommern.

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erstellt am 27.Mai.2010 | 07:36 Uhr

Schwerin/Anklam. | Die piefigen Rüschengardinen vor den Fenstern und der graue Putz aus DDR-Zeit täuschen. Launige Rentnerabende finden im Vereinshaus im Anklamer Kirschenweg nicht statt. Hier regiert Oswin Hannemann, Präsident des gefürchteten Anklamer Chapters der "Bandidos". "EXPECT NO MERCY" - Erwarte keine Gnade, steht auf der Kutte.

Knapp 300 Motorrad-Kilometer westwärts, in Hamburg, berieten gestern die Innenminister von Bund und Ländern über den künftigen Umgang mit der Subkultur aus martialischem Gehabe, Motoren und Krimininalität. Innenminister Lorenz Caffier (CDU) zeigte sich vor dem Treffen hinsichtlich einem Verbot auf Länderebene eher skeptisch und sieht primär die Bundesregierung in der Pflicht."Aufgrund einer überregionalen Tatbegehung ist das Bundesinnenministerium gefordert", sagte Ministeriumssprecher Falk Jonischkies. Im eigenen Bundesland setze das Innenministerium auf Repression gegen Rocker-Kriminalität. Dafür wurde im Landeskriminalamt (LKA) in Rampe bei Schwerin im Februar dieses Jahres extra eine Ermittlungsgruppe "Rocker" mit zehn Beamten gebildet.

LKA-Sprecher Olaf Seidlitz zeigte sich wenig beeindruckt vom demonstrativen Friedensschluss der bislang verfeindeten Rockerbanden "Hells Angels" und "Bandidos" am Mittwoch in Hannover: "Eine dicke Männerfreundschaft wird das trotzdem nicht." Der Handschlag, das inszenierte Spektakel vor der Innenministerkonferenz, spiele für die etwa 200 Mann starke Rockerszene im Nordosten Deutschlands ohnehin keine Rolle. "Mecklenburg-Vorpommern ist klar aufgeteilt, Rockerkrieg wie in Schleswig-Holstein gibt es hier nicht", berichtet der Kriminalist. Der Westen des Landes gehört den "Hells Angels". Im Osten regieren die "Bandidos". Der "Gremium MC" hat Chapter in Schwerin und Neubrandenburg.

Doch auch ohne blutige Auseinandersetzungen untereinander sind die Rocker für LKA-Sprecher Seidlitz kriminell: "60 Prozent von ihnen sind als Straftäter polizeibekannt." Allein den Rostocker "Hells Angels" galten 2009 drei Razzien. Dabei wurden Schusswaffen und sogar Sprengzünder sichergestellt. "Wir führen Ermittlungen wegen Drogen- und Waffenhandels, wegen Erpressungen und Rotlichtkriminalität", berichtet Seidlitz.

Auch werden Verbindungen zur rechtsextremen Szene vermutet. So soll die Wolgaster Neonazi-Band "Skalinger" bei den "Bandidos" in Stralsund aufgetreten sein. In Anklam dementiert Präsident Oswin Hannemann derartige Verbrüderungen: "Wir sind ein Rockerclub und haben mit Politik nichts zu tun."

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