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Teil 6 der Serie Soldaten in Afghanistan : Keine leichte Aufgabe

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Triumphierend hält er die Bombe in die Luft. Er hat sie gefunden. Stolz sucht sein Blick den Ausbilder. Der schüttelt den Kopf. Der afghanische Rekrut sollte die Bombenattrappe finden - in die Hand nehmen nicht.

svz.de von
erstellt am 02.Mär.2011 | 08:26 Uhr

Faisabad | Triumphierend hält er die Bombe in die Luft. Er hat sie gefunden. Stolz sucht sein Blick den Ausbilder. Der schüttelt den Kopf.

Die Bombe ist eine Attrappe, versteckt im Radkasten eines Geländewagens. Der afghanische Rekrut sollte sie finden - in die Hand nehmen nicht. "Sie schätzen Gefahren vollkommen anders ein", sagt sein deutscher Ausbilder.

Für sechs Monate tauschen die Ordnungshüter ihre Dienststelle gegen afghanische Trainingszentren. Seit 2002 engagiert sich Deutschland mit dem German Police Project Team (GPPT) beim Aufbau des afghanischen Sicherheitsapparates. Rund 200 Beamte arbeiten zurzeit am Hindukusch.

Das Durchsuchen eines Autos ist Teil einer sechswöchigen Grundausbildung, die aus einfachen Bauern und Tagelöhnern im Polizisten machen soll. In Deutschland werden Polizeianwärter zwei bis drei Jahre vorbereitet.

Auch finanziell gehört Deutschland zu den wichtigsten Unterstützern des Projektes. Mit 30 Millionen Euro hat sich die Bundesrepublik im vergangenen Jahr an einem Treuhandfonds beteiligt, aus dem die Polizisten bezahlt werden. In Faisabad wurde mit deutschem Geld das Trainingszentrum für die Rekruten gebaut. Bis zu 80 angehende Polizisten können hier lernen und leben.

"90 Prozent von ihnen sind Analphabeten", sagen die Ausbilder. "Wir malen Bilder an die Wand, wenn wir etwas erklären." Die Männer haben kaum Vorstellungen davon, was Polizisten eigentlich machen. Ihr Ansehen in der Bevölkerung ist gering, nicht wenige sollen korrupt sein.

Zurück zum Auto: Die Polizeianwärter sollen lernen, Fahrzeuge systematisch und gründlich zu durchsuchen. "Das Auto ist in Sektoren aufgeteilt" sagt ein Ausbilder. Motorraum, Vordersitze, Rückbank, Kofferraum. Erst die Fahrerseite dann die Beifahrerseite. Im Kofferraum ist ein Beil versteckt, unter dem Fahrersitz liegt eine Pistole - alles Attrappen. Das Problem: "Sie kennen keine Autos", sagt der Beamte. "Wir vermitteln ihnen Grundkenntnisse. Die sollen sie im Schlaf beherrschen." Kontrollstellen einrichten, Ausweise und Nummernschilder kontrollieren, Festnahmen und Durchsuchungen. Vorsichtig und aufmerksam sein. "Wir versuchen sie fit zu machen, damit sie überleben können", sagt ein Ausbilder. Politisch korrekt ist das nicht.

In Faisabad versuchen sie einen neuen Weg. Im Hauptquartier der afghanischen Polizei wird ein Verbindungsoffizier eingesetzt. "Er soll beraten und bei Problemen unterstützen", sagt der Polizeibeamte. Aktiv wird er allerdings nur, wenn die afghanischen Verantwortlichen fragen.

Die Idee soll keine Einbahnstraße bleiben. Bislang haben die Ausbilder keine Möglichkeit, ihre Schützlinge im Alltag zu begleiten. Ihr Einsatz endet am Tor des Trainingszentrums. Diese Lücke soll der Verbindungsoffizier schließen. Er kann sich Checkpoints anschauen und Kontrollen begleiten. "Dann können wir bei der Ausbildung Schwerpunkte legen."

Bis Ende Oktober will die internationale Gemeinschaft die Zahl der afghanischen Polizisten auf 134 000 erhöhen. In Deutschland gibt es rund 250 000 Ordnungshüter - es ist etwa halb so groß.

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