Keine Kopfprämien an Kliniken

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14. September 2009, 08:33 Uhr

Schwerin/Karlsburg | Für die großen Kliniken in MV sind Kopfprämienzahlungen in den eigenen Häusern kein Thema. Alle befragten Kliniken in Schwerin, Rostock, Greifswald, Stralsund, Wismar und Karlsburg versicherten in einer Umfrage, kein Geld für Patientenüberweisungen gezahlt oder empfangen zu haben und verurteilten Zahlungen.

Das Klinikum Karlsburg kündigte rechtliche Schritte gegen den Leiter des Zentrums für Innere Medizin des Universitätsklinikums Rostock an. Dieser hatte dem Herzzentrum in Karlsburg unsauberes Agieren im Zusammenhang mit einem Herzpatienten vor drei Jahren unterstellt. Der Patient sollte mit akuten Herzproblemen von Wismar nach Karlsburg gebracht werden. Weil es ihm auf dem Transport schlechter ging, wurde er bereits in Rostock versorgt. "Es ist unglaublich, wie durch andere Krankenhäuser die eigene Klinik in Misskredit gebracht wird", sagte der Ärztliche Direktor des Klinikums Karlsburg, Wolfgang Motz. Er distanzierte sich deutlich von illegalen Zahlungen an niedergelassene Ärzte. "Es gibt eine klare Haltung der Geschäftsführung: keine Kopfprämien."

Auch Kliniken in Schwerin, Rostock, Greifswald, Stralsund und Wismar verurteilten die Schmiergeld-Zahlungen. Das Rostocker Universitätsklinikum wollte keine Stellung nehmen. "Kopfprämien sind bei uns nie in Erwägung gezogen worden und gibt es bei uns auch nicht", sagte der Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums Greifswald, Marek Zygmunt, und verwies auf die Berufsordnung der Ärzte. "Wir wollen durch hohe Qualität bei den Zuweisern punkten."

Nach Einschätzung der befragten Kliniken sind Fangprämienzahlungen hauptsächlich ein Problem in Ballungszentren mit einer hohen Dichte an Krankenhäusern. Doch angesichts des demografischen Wandels und des damit prognostizierten Bevölkerungsrückgangs wird der Konkurrenzkampf um den Patienten auch in MV größer. Das Land steht vor Überkapazitäten bei den Krankenhausbetten. Nach den Prognosen des Sozialministeriums werden die Planzahlen von derzeit landesweit 9157 Krankenhausbetten bis 2020 auf 8871 fallen. Erst zehn Jahre später rechnet das Ministerium wieder mit einem leichten Anstieg der Bettenzahlen auf 9015. Die Krankenhäuser im Nordosten reagieren auf diese Entwicklung mit einer Schärfung ihres Profils und einer Qualitätsoffensive. "Wir setzen auf eine Spitzenversorgung mit Spitzenforschung", sagte der Greifswalder Klinikchef Zygmunt.

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