Bildung : Kein Seiteneinstieg für Lehramts-Studenten?

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Grüne: Novelliertes Lehrerbildungsgesetz treibt „kuriose Blüten“ - Das Ministerium sieht keinen Änderungsbedarf.

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22. Februar 2014, 09:00 Uhr

Seiteneinsteiger haben es seit Ende vergangenen Jahres leichter, an Mecklenburg-Vorpommerns Schulen als hauptberufliche Lehrer zu unterrichten. Im Dezember beschloss der Landtag eine entsprechende Änderung des Lehrerbildungsgesetzes. Doch nach Ansicht der bildungspolitischen Sprecherin der Grünen, Ulrike Berger, treiben diese aus Sicht der Opposition von Anfang an umstrittenen Regelungen inzwischen „kuriose Blüten“. So könnten nun zwar Seiteneinsteiger ohne pädagogisches Studium nach fünf Jahren Schuldienst den regulär ausgebildeten Lehrkräften finanziell gleichgestellt werden – ausgerechnet Lehramtsstudenten mit abgeschlossenem 1. Staatsexamen bleibe diese Möglichkeit aber verwehrt, kritisiert die Grünen-Politikerin.

Denn das Lehrerbildungsgesetz fordere von Seiteneinsteigern ausdrücklich „ein mit einem Mastergrad oder einem vergleichbaren Abschluss abgeschlossenes anderes Hochschulstudium als ein Lehramtsstudium“. Ein erstes Lehramts-Staatsexamen wäre demnach zu wenig. Betroffene hätten daher im Gegensatz zu den Seiteneinsteigern ohne pädagogische Ausbildung nicht die Möglichkeit, nach fünf Jahren die offizielle Lehrbefähigung zu erhalten. Stattdessen müssten sie den vollständigen Vorbereitungsdienst absolvieren – sofern sie einen Platz erhalten.

Lehramtsstudenten, die keine Referendariatsstelle bekommen hätten, würden im Land aber durchaus als Vertretungslehrer eingestellt, kritisiert die Grünen-Politikerin. Dies sei absurd und ungerecht: „Erst verhindert das Land durch fehlende Referendariatsplätze den endgültigen Studienabschluss. Dann setzt es diese Absolventen als billige Arbeitskräfte ein. Und nun soll ausgerechnet ihre Berufspraxis nicht anerkannt werden“, so Berger.

Im Bildungsministerium weist man diese Kritik zurück. Da werde ein Problem herbeigeredet, das gar keines sei. Denn da Vertretungsstellen niemals unbefristet besetzt würden, sei auch nicht denkbar, dass ein junger Lehrer fünf Jahre lang auf solch einer Stelle tätig wäre. Der Vergleich mit Seiteneinsteigern, die nach fünfjähriger Berufspraxis die Lehrbefähigung erhalten können, hinke also. Überhaupt hätten junge Leute, die zur Überbrückung der Wartezeit zwischen 1. Staatsexamen und Referendariat eine Stelle als Vertretungslehrer annehmen, durchaus Vorteile: „Sie erwerben durch ihre Lehrtätigkeit Notenboni und können ihr Referendariat verkürzen“, so Ministeriumssprecher Henning Lipski.

Die Grünen fordern dennoch eine Nachbesserung des Lehrerbildungsgesetzes. Sie schlagen unter anderem vor, dass alle Seiteneinsteiger so wie auch Lehramtsstudenten einen Vorbereitungsdienst absolvieren. „Je nach Berufspraxis und pädagogischer Vorbildung soll er jedoch deutlich verkürzt und zudem berufsbegleitend absolviert werden können“, erläutert Berger. Damit werde Gleichbehandlung geschaffen, geleistete Arbeit berücksichtigt und eine Entwertung des Lehramtsstudiums verhindert, parallel dazu werde die Unterrichtsqualität gesichert. „Wir sind uns mit der GEW und dem Zentrum für Lehrerbildung einig: Berufspraxis allein kann die Beratung und Unterrichtsauswertung durch erfahrene Mentoren nicht ersetzen“, konstatiert Ulrike Berger. Im Bildungsministerium nimmt man ihren Vorschlag dagegen mit Unverständnis auf. „Er widerspricht deutschlandweit gültigen Standards der Lehrerbildung, wie sie von der Kultusministerkonferenz beschlossen wurden“, betont Ministeriumssprecher Lipski. Darin sei ein Referendariat zwingend vorgesehen. „Würde dem Vorschlag von Frau Berger gefolgt, würden die entsprechenden Abschlüsse somit in anderen Bundesländern nicht mehr anerkannt.“ Das Ministerium könne dem Landtag nicht empfehlen, diesem Vorschlag zu folgen.



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