zur Navigation springen

Führungskrise : Kammerwelt im Nordosten steht Kopf

vom

Die Kooperations- und Fusionspläne der Industrie- und Handelskammern Schwerin und Rostock haben einen Führungsstreit in der Schweriner Kammerspitze hervorgerufen. Droht ein Vertrauens- und Qualitätsverlust?

svz.de von
erstellt am 01.Nov.2011 | 06:23 Uhr

Schwerin | Mecklenburg-Vorpommerns Kammerwelt in Aufruhr: Die Kooperations- und Fusionspläne der Industrie- und Handelskammern Schwerin und Rostock haben einen bisher beispiellosen Führungsstreit in der Schweriner Kammerspitze hervorgerufen. Während die Kammer Neubrandenburg entsprechende Verhandlungen mit dem Verweis darauf ablehnte, dass die Region Ost-Mecklenburg und Vorpommern andere Themen gegenüber der Politik zu vertreten hätten als Rostock und Schwerin, steht in Westmecklenburg die Kammerwelt Kopf. In einem Protestschreiben an Kammer-Präsident Hans Thon sieht ein Mitglied der Vollversammlung inzwischen "den Bestand und die Zukunft der Schweriner IHK" in Gefahr. Zudem würden die Querelen in der IHK-Führungsetage "die Qualität der von der IHK zu erbringenden Leistungen gegenüber ihren über 24 000 Mitgliedern" aufs Spiel setzen und bei den "IHK-Mitarbeitern/innen zu einem mit den Händen zu greifenden drastischen Motivationsverlust" führen, heißt es in dem unserer Redaktion vorliegenden Schreiben. Der Hintergrund: IHK-Hauptgeschäftsführer Ulrich Unger hatte im Oktober in einer rechtlichen Beurteilung des Vergabeverfahrens für einen mehrere zehntausend Euro teuren Beraterauftrag im Zusammenhang mit der geplanten Kammerfusion zahlreiche Mängel erkannt und an die Vollversammlung unter anderem geschrieben, dass die Vergabe "mit den Grundsätzen einer öffentlichen Ausschreibung nur schwerlich vereinbar" sei. Damit hatte er den Zorn des Kammer-Präsidiums auf sich gezogen. Zoff zwischen Haupt- und Ehrenamt: "Gegenseitiges Vertrauen" scheine es nicht mehr zu geben, kritisiert ein Vollversammlungsmitglied den Streit. Kammer-Präsident Hans Thon wehrt ab: Der Umgang mit der Hauptgeschäftsführung sei "freundschaftlich" und "nicht von Misstrauen" geprägt, meinte er gestern. "Es ist alles in Ordnung." Auf der heutigen außerplanmäßigen Vollversammlung wolle er für Aufklärung sorgen.

Die Kammer Schwerin und Rostock hatten im Sommer vereinbart, Wege einer engeren Kooperation oder auch der Fusion von externen Dienstleistern prüfen zu lassen. Während die Kammer Rostock einen entsprechenden Beratervertrag auf den Weg gebracht hatte, wollte Neubrandenburg es hingegen bei einer stärkeren Kooperation belassen. Die Kammer wolle die von den Unternehmen geforderte Regionalität nicht aufs Spiel setzen, begründete Kammer-Präsident Manfred Ruprecht seinerzeit die Fusionsabsage.

Das Vergabeverfahren steht jetzt auf dem Prüfstand. Die Rechtsaufsicht beim Wirtschaftsministerium hat sich inzwischen eingeschaltet. Thon sieht sich auf der sicheren Seite: Selbst der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) habe keine rechtlichen Bedenken gehabt, so Thon. Er begrüße die Überprüfung durch die Rechtsaufsicht. Er wolle "einen Freispruch erster Klasse".

Doch die Kritik an der Kammer-Führung geht tiefer: Die Querelen seien "offensichtlich nur die Spitze eines großen ... Desasters", heißt es in dem Protestbrief an Thon. Eine Mischung von "rechtswidrigem Verhalten, falschen Versprechungen, Blendwerk" und einem für die IHK "schwer beschädigenden Verhalten" machen die Kritiker aus. Thon reagiert gelassen: Man habe viel erreicht, sagte er gestern. Allerdings musste auch er eingestehen: In den vergangenen drei Jahren sei es nicht gelungen, die Gräben innerhalb der Kammermitglieder zuzuschütten. Der Präsident, der vor drei Jahren durch eine Mehrheit der IHK-Reformer an die Kammerspitze gewählt wurde, war seinerzeit angetreten, wieder für ein offeneres Klima und mehr Transparenz in der Kammer zu sorgen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen