Justitia strahlt wieder

Architekt Bernd Klinghammer in einem der modernen neuen Verhandlungssäle
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Architekt Bernd Klinghammer in einem der modernen neuen Verhandlungssäle

Seit mehr als zwei Jahren haben Bauarbeiter am Landgericht in Schwerin das Sagen. Während der Sanierung des 93-jährigen Gebäudes mussten die Richter der drei großen Strafkammern auf andere Gebäude in der Landeshauptstadt ausweichen. Jetzt erstrahlt das Haus wieder in altem Glanz.

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11. August 2009, 10:50 Uhr

Schwerin | Justitia, die römische Göttin der Gerechtigkeit, hält ihr Schwert noch immer unerbittlich fest in der Hand. Kein Zweifel, sie wird das Recht weiter mit der nötigen Konsequenz durchsetzen. Doch unwillkürlich wirkt die überdimensionale Figurengruppe an der Front des Gerichtsgebäudes am Schweriner Demmlerplatz strahlender als sonst.

Das hat seinen Grund: Das denkmalgeschützte Haus mit der wechselvollen Geschichte, das seit 1916 fünf Herrschaftssysteme überstand, wird umfassend verschönert. Mehr als sechs Millionen Euro fließen insgesamt in die grundlegende Sanierung. Nach zweijähriger Bauzeit ist diese zwar noch nicht völlig abgeschlossen. Aber die Prozesse finden jetzt bereits in neuen Sälen statt. "Neben fünf historischen Gerichtssälen stehen noch zwanzig weitere Verhandlungsräume zur Verfügung", erklärt Architekt Bernd Klinghammer vom Betrieb für Bau und Liegenschaften des Landes, der bei der Sanierung eng mit der Denkmalpflege zusammengearbeitet und sich an Originalplänen orientiert hat. Bausünden aus DDR-Zeiten beseitigen, mehr Licht in das alte Gemäuer bringen, Raum schaffen - kurzum, ein "würdiges Gerichtsgebäude" für alle Prozessbeteiligten und Besucher zu verwirklichen, sei das Ziel der Sanierung gewesen.

"Recht muss Recht bleiben"Prunkstück wird sicher der historische Schwurgerichtssaal, in dem schon in den zwanziger Jahren schwere Verbrechen wie Mord und Totschlag verhandelt wurden. Richter und Schöffen sitzen nun auf einem Podest vor großen Glasfenstern mit farbigen Ornamenten. Für die Zuschauer gibt es eine Galerie. Der größte Saal, von der Staatssicherheit, die hier zu DDR-Zeiten ihr Unheil trieb, als Kino- und Vorführraum benutzt, soll im September fertig werden.

Bernd Klinghammer zeigt auf die wuchtigen Atlanten-Figuren, die, an den Füßen gefesselt, das große Portal zum Schwurgerichtssaal umrahmen. Über ihren Köpfen in Goldschrift ein Psalm aus der Bibel. Zu DDR-Zeiten verdeckt, glänzt er heute wieder: "Recht muss Recht bleiben", ist dort zu lesen.

Nicht alle Ideen der Denkmalschützer konnten umgesetzt werden, vor allem aus Kostengründen. Die Bauarbeiten dauerten länger als geplant und werden wohl erst 2010 abgeschlossen sein. Der Baucontainer am Seitenflügel - das beengte "Notgericht", in dem während der Bauphase so wichtige Prozesse wie der gegen die Eltern der verhungerten Lea-Sophie stattfanden - wird noch einige Zeit als Bürogebäude dienen müssen.

Aber Landgerichtspräsident Hartmut Eichler sieht - wenn die Baumaßnahmen endgültig beendet sind - eine "deutlich verbesserte Situation" für Justiz und Öffentlichkeit. Für Juristen und Prozessbeobachter gibt es beispielsweise Laptopanschlüsse in den Sälen. Es stehen Anwalt-, Schöffen- und Beratungszimmer zur Verfügung. Eine gelungene Mischung aus Erhaltenswertem und Funktionalität, findet Bauminister Volker Schlotmann (SPD). "Die historischen Räume werden wiederhergestellt und mit einer modernen technischen Infrastruktur ausgestattet, so dass sie gute Arbeitsbedingungen bieten", sagt er.

Von der Wende bis heute seien insgesamt fast 190 Millionen Euro Bauinvestitionen in die Justiz des Landes geflossen. Justizministerin Uta-Maria Kuder (CDU) verweist unter anderem auf das neue Gericht im Fürstenhof Wismar und auf neue Justizgebäude in Grevesmühlen, Parchim und Ludwigslust. Hagenow dagegen wird wohl noch eine Weile auf Verbesserung warten müssen, obwohl die Situation dort der Ministerin zufolge "unbefriedigend" ist. Ab 2010 soll unter anderem in die Gerichte Demmin und Rostock investiert werden.

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