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Beanspruchung an öffentlichen Schulen : Junglehrer im „Schongang“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Belastungssituation an Schulen analysiert: Land investiert 1,3 Millionen Euro in Gesundheitsförderung

svz.de von
erstellt am 01.Okt.2015 | 08:00 Uhr

Während ältere Lehrer eher zur Selbstausbeutung neigen, wächst unter den Berufseinsteigern die Gruppe derjenigen, die nur im „Schongang“ arbeiten. Zu diesem Ergebnis kommt eine im Auftrag des Bildungsministeriums erstelle Analyse zur Beanspruchungssituation an öffentlichen Schulen des Landes. Sie ergab auch, dass Lehrerinnen die berufliche Belastung negativer einschätzen als ihre männlichen Kollegen. Und: Vollzeitbeschäftigte an Schulen sind belastbarer und gesundheitlich robuster als ihre teilzeitbeschäftigten Kollegen.

Insgesamt 734 Beschäftigte aus 31 öffentlichen Schulen haben sich auf freiwilliger Basis an der Befragung beteiligt, so der mittlerweile in den Ruhestand getretene Potsdamer Psychologie-Professor Uwe Schaarschmidt. Er hatte bereits 2006 in seiner „Potsdamer Studie“ 600 Lehrerinnen und Lehrer aus Mecklenburg-Vorpommern Auskunft zu ihrer beruflichen Situation geben lassen, und seither zum Teil deutliche Verschiebungen festgestellt.

So ist der Teil derjenigen, die ihre Arbeit „über alles stellen“ und entsprechend nicht mehr abschalten können, geringer geworden – waren es 2006 noch 40 Prozent aller Lehrer, sind es jetzt nur noch 26,8 Prozent. Von 16 auf 29,3 Prozent wuchs dagegen die Gruppe derjenigen, die sich bewusst vor beruflicher Belastung schützen. „Das sind aber keine Faulpelze“, betont Schaarschmidt. Vielmehr bilde sich hier ein grundsätzlicher gesellschaftlicher Wertewandel ab, Arbeit sei heute längst nicht mehr alles, worüber man sich definiere. Oft stünden hinter dem beruflichen „Schongang“ aber auch Unzufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen, Konflikte im Kollegium oder ein gestörtes Verhältnis zur Schulleitung – „alles Dinge, die sich ändern lassen“, so Schaarschmidt. Problematischer sei es, wenn aktuell schon ein knappes Viertel (24,7 Prozent) der Berufseinsteiger resigniert habe und als burnoutgefährdet gelte. „Da muss in der Eignungsauswahl und in der Vorbereitung auf den Schuldienst einiges getan werden“, schlussfolgert der Wissenschaftler.

Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) stimmt ihm darin zu, ist aber bereits vor Jahren mit dem Vorschlag eines verbindlichen Eignungstests für Lehramtsstudenten an den entsprechenden Fakultäten im Land auf Ablehnung gestoßen. Dabei habe das Land natürlich Interesse an motivierten und gesunden Lehrerinnen und Lehrern – weil das auch den Schülern zugute kommt. Für 2015 stelle MV deshalb über die gesetzlichen Vorgaben hinaus 1,3 Millionen Euro für die Gesundheitsförderung an Schulen bereit. Ein entsprechendes Programm gebe es seit 2014, auch künftig werde es fortgeschrieben, so Brodkorb.

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