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Job-Hoffnung in der Schiffbauhalle

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erstellt am 26.Mai.2010 | 07:58 Uhr

Wismar | Der Beschäftigungspakt auf den angeschlagenen Nordic-Werften steht: Die zuvor zwischen Werfteigner Witali Jussufow und der IG Metall ausgehandelte Vereinbarung stieß gestern bei den Werftarbeitern in Wismar auf breite Zustimmung. Eine deutliche Mehrheit habe dem Vertrag zugestimmt, sagte die ehemalige Betriebsrätin Ines Scheel im Anschluss an die Abstimmung. Die IG Metall hatte den Werftarbeiter zuvor Einzelheiten der Abmachung vorgestellt und für die Vereinbarung geworben. Vertragsdetails wollte Scheel dennoch nicht nennen. Die sollen erst nach der heutigen Abstimmung am Nordic-Standort Warnemünde bekanntgegeben werden. Während ein Teil der Belegschaft bedrückt auf die neue Vereinbarung reagiert habe, seien andere froh, endlich mehr Klarheit über die weitere berufliche Zukunft zu erhalten, sagte Scheel.

Indes erhöht sich der Druck auf die an den seit Monaten laufenden Finanzierungsgesprächen beteiligten Banken. Nach der Überweisung des Kaufpreises von 40 Millionen und der Übernahme von Kosten für den Werftbetrieb ließen Jussufows Bemühungen ein deutliches Interesse an den Werften erkennen, sagte Scheel. Nachdem er nun für den Bau des vom Norilsk-Nickel-Konzern bestellten Tankers auch die zweite Rate von 20 Millionen Euro mit Eigenmitteln abgesichert habe, müssten nun auch die Banken und die Landesregierungen ihren Beitrag leisten, forderte Scheel. Das Schlechtreden der Werften helfe nicht weiter, sagte sie und kritisierte Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU). Der hatte kürzlich erklärt: "Definitiv ausschließen, dass wir auch an diesem Standort noch einmal in eine schwierige Situation wie 2009 kommen, kann ich beim besten Willen nicht."

Jussufow und IG Metall hatten sich vergangene Woche auf einen Fahrplan zur langfristigen Beschäftigungssicherung an beiden Standorten geeinigt. Vorbehaltlich neuer Schiffbauaufträge und gesicherter Finanzierungen soll sich der Werfteigner zu konkreten Stellenangaben für beide Standorte bekannt haben. Nachdem sich die bisherige im Kaufvertrag vereinbarte und mit einer Vertragsstrafe von maximal 15 Millionen Euro belegte Garantie von 1200 Stellen bei Finanzierungsgesprächen für den einzigen Neubauauftrag als Hindernis erwiesen hatte, wollte Jussufow eine Neuregelung durchdrücken. Nach Informationen unserer Zeitung soll er den Beschäftigten in der Vereinbarung ein Stück näher gekommen sein. Während er bislang im Kaufvertrag zugesichert hatte, mindestens 75 Prozent der garantierten 1200 Jobs an beiden Standorten mit Mitarbeitern aus den Transfergesellschaften zu besetzen, will Jussufow jetzt alle Werftarbeiter aus den Beschäftigungsgesellschaften holen. Bereits zum 1. August soll ein Teil der Belegschaft unbefristete Arbeitsverträge erhalten. Zwar sollen am 1. Juli die Stahlbauarbeiten für den Tankerauftrag beginnen. Der Großteil der Belegschaft solle aber mit der verbindlichen Zusicherung Jussufows, sie je nach Auftragseingang wieder einzustellen, mit dem Ende der Transfergesellschaft Ende Juli vorrübergehend in die Arbeitslosigkeit geschickt werden.

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