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Jedes zweite Kind geht in die Krippe

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erstellt am 27.Apr.2011 | 06:56 Uhr

Schwerin | Immer mehr Kleinkinder in Mecklenburg-Vorpommern werden außer Haus betreut. Rund 50 Prozent der Kinder unter drei Jahren besuchten im vergangenen Jahr eine Kita oder eine Tagesmutter - 2006 verzeichnete das Statistische Amt in Schwerin noch 43,2 Prozent. Jedes dritte Kleinkind im Land wurde 2010 sogar ganztags betreut. Im Bundesdurchschnitt waren es dagegen nur 11,6 Prozent. Damit ist Mecklenburg-Vorpommern - ebenso wie die anderen Ostländer - immer noch deutlich besser mit Betreuungsplätzen versorgt als der Westen Deutschlands. Die Ganztagsbetreuungsquote lag im Osten fünfmal so hoch wie im Westen.

Bundesweiter Ausbau der Plätze läuft schleppend

Zwar versuchen die westdeutschen Länder aufzuholen, doch der von der Bundesregierung versprochene Ausbau der Krippenplätze lief 2010 eher schleppend an: So stieg die allgemeine Betreuungsquote von Kleinkindern im Vergleich zum Vorjahr deutschlandweit nur um 2,8 Prozentpunkte und der Anteil der Kinder in Ganztagsbetreuung nur um 1,7 Prozentpunkte. In MV lag der Zuwachs bei der Ganztagsbetreuung auf hohem Niveau immerhin noch bei landesweit 1,5 Prozentpunkten. Spitzenreiter im Verbreitungsgebiet unserer Zeitung war der Landkreis Nordwestmecklenburg (plus 3,7). Mit 40 Prozent zählte Rostock die höchste Quote, die niedrigste hatte der Landkreis Ludwigslust mit 28,9 Prozent.

Der steigende Bedarf an Betreuungsplätzen ist auch auf den Bevölkerungszuwachs in der jüngsten Altersklasse zurückzuführen. Nach Angaben des Statistischen Amtes sind in den vergangenen Jahren im Nordosten wieder mehr Kinder geboren worden.

Nachfrage im Westen enorm gestiegen

Generell haben die hohen Betreuungsquoten bei Kleinkindern in Ostdeutschland Tradition. Zu DDR-Zeiten war es üblich, dass die Mütter nach der Geburt wieder schnell in den Beruf zurückkehrten und die Kinder in die Krippe kamen. Inzwischen ist jedoch auch im Westen Deutschlands der Wunsch nach einer raschen Rückkehr in den Beruf gestiegen - oft auch aus finanziellen Gründen. Die Nachfrage ist enorm, wie beispielsweise die Stadt Stuttgart bestätigt. Mit einer Ganztagsbetreuungsquote von 19,6 Prozent weist sie den größten Wert in Westdeutschland auf. Doch selbst die ostdeutsche Region mit der geringsten Quote, der sächsische Erzgebirgskreis, liegt mit 22,2 Prozent noch darüber.

Angesichts der geringen Steigerungsraten im vergangenen Jahr ist fraglich, ob die Bundesregierung ihr Versprechen halten kann. Sie hatte angekündigt, bis zum Jahr 2013 bundesweit Betreuungsplätze für 35 Prozent der Kinder unter drei Jahren zu schaffen.

Während die westdeutschen Länder vor allem um mehr Betreuungsplätze kämpfen, steht im Osten die Qualitäts- und Kostendebatte im Vordergrund - hohe Betreuungsquoten müssen finanziert werden. So hat Mecklenburg-Vorpommern beispielsweise die größten Kindergartengruppen in Deutschland. Besser schneidet der Nordosten allerdings bei den Kinderkrippen ab. Hier liegt der Betreuungsschlüssel nach Angaben des Statistischen Bundesamtes bei 1 zu 5,5. Im Bundesdurchschnitt kommen auf eine Krippenerzieherin rechnerisch 5,0 Kinder. Am besten stehen derzeit Bremen (3,2), das Saarland und Rheinland-Pfalz (je 3,4) da. Die Werte in den ostdeutschen Ländern liegen zum Teil deutlich darüber.

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