zur Navigation springen

Katastrophenszenario : Jeder Zehnte von Hochwasser bedroht

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Erstmals Hochwasserschutz per Mausklick. Katastrophenszenario: Land weist Gefährdungsgebiete aus

svz.de von
erstellt am 16.Jan.2014 | 00:34 Uhr

Hochwasserwarnung in MV: Extremhochwasser an Flüssen oder -sturmfluten an der Küste würden in Mecklenburg-Vorpommern nahezu jeden zehnten Einwohner in Gefahr bringen. Das geht aus einem gestern vorgestellten Katastrophenszenario hervor, das erstmals öffentlich in einer Datenbank für jeden zugänglich die Hochwassergefährungsgebiete und -risiken im Land aufzeigt. Danach müsste auf 408 Quadratkilometern mit Überschwemmungen gerechnet werden – 1,7 Prozent der Landesfläche. Davon wären etwa 128 000 Einwohner und millionenschwere Kapitalwerte betroffen. Bei dem Szenario gehen Experten von einem Extremereignis aus, bei dem u. a. die Schutzanlagen versagen würden.

Hochwassergefahr droht vor allem den Einwohner in Westmecklenburg: In der Region entlang der Elbe liegt nahezu jede zweite Gefährdungsfläche – insgesamt 193 Quadratkilometer. Entlang des Flusses seien etwa 14 300 Anwohner und Kapitalwerte von 350 Millionen Euro von Überschwemmungen bedroht. Betroffen wären aber beispielsweise auch Schwaan oder Bützow entlang der Warnow, hunderte Menschen in Neustadt-Glewe und Grabow an der Elde, vor allem aber Rostock, Wismar, Fischland-Darß-Zingst und Vorpommern. Mit den erstmals im Internet abrufbaren Hochwassergefahren- und -risikokarten könnten nun für den schlimmsten anzunehmenden Fall Evakuierungspläne und Handlungsempfehlungen erarbeitet werden, erklärte Umweltminister Till Backhaus (SPD) gestern in Schwerin. Die Karten würden für jeden Ort in den Überschwemmungsgebieten Auskunft darüber geben, welche Straße, welches Grundstück überflutet würde. Die Menschen könnten sich so besser auf Hochwasser einstellen und Vorsichtsmaßnahmen ergreifen. Zudem solle bereits im Vorfeld beispielsweise bei Investitionen die Hochwassergefahren besser eingeschätzt und Kommunen bei der Ausweisung von Baugebieten die Risiken aufgezeigt werden. In der Vergangenheit seien immer wieder Baugebiete in Hochwassergebieten eingerichtet worden. Wer künftig dennoch in Überflutungsgebieten baue, könne nicht mehr mit staatlichen Hochwasserschutzbauten rechnen. Zusammen mit dem ebenfalls jetzt im Internet aufrufbaren Pegelständen habe Mecklenburg-Vorpommern damit ein Frühwarnsystem installiert. An 80 Messstellen entlang von Elbe, Warnow, Peene,Oder, Schlei und Trave werde Auskunft über die Wassersituation gegeben.

Backhaus warnte davor, sich in Sicherheit zu wiegen: „Einen 100-prozentigen Hochwasserschutz wird es nicht geben“, meinte er. „Das nächste Hochwasser kommt bestimmt.“ Das Land müsse damit rechnen, dass es häufiger von extremen Wettersituationen überrascht werde. Um für den Ernstfall besser gewappnet zu sein, würden für die Gefährdungsgebiete bis 2015 Hochwasserrisikomanagementpläne entwickelt, kündigte Backhaus an.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten habe das Land bereits knapp 100 Millionen Euro in den Hochwasser- und Küstenschutz gesteckt, sagte Backhaus. Beim letzten großen Hochwasser im Sommer 2013 habe sich die Situation zwar sehr zugespitzt. Dömitz und Boizenburg hätten kurz vor der Evakuierung gestanden, sagte Backhaus. Die Investitionen in den Hochwasserschutz hätten in MV aber Schlimmeres verhindert. Es waren Schäden von etwa sieben Millionen Euro entstanden, bundesweit waren es etwa zehn Milliarde

www.lu.regierung-mv.de/hwrm

www.pegelportal-mv.de

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen